Stand: 11.01.2016 15:46 Uhr

Wer Fisch verspeist, isst offenbar auch Plastik

Sie sind nur wenige Millimeter groß, für das menschliche Auge kaum sichtbar - doch sie lauern überall: winzige Partikel aus Kunststoff, sogenanntes Mikroplastik. Es gelangt aus Pflegeprodukten wie Duschgel oder Zahnpasta über das Abwasser in die Umwelt oder entsteht beim Zersetzungsprozess von Plastikmüll im Meer. Dieser Müll schwebt anschließend im Wasser, wo er von den Tieren gefressen wird. Dass er für die Fische in den Weltmeeren zur Bedrohung wird, ist hinlänglich bekannt. Jetzt haben Biologen vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven die Plastikreste auch in Speisefischen aus Nord- und Ostsee nachgewiesen.

Makrele ist besonders häufig belastet

290 Makrelen, Flundern, Heringe, Dorsche und Klieschen haben die Forscher für eine erste Studie unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Insbesondere die Makrele verschluckt viele Plastikpartikel, in Bodennähe lebende Fische wie Flunder oder Kliesche hatten weit weniger Kunststoffteilchen im Magen. Heringe scheinen zu bestimmten Jahreszeiten sogar komplett plastikfrei zu sein. Studienleiter Gunnar Gerdts begründet dies mit dem Fressverhalten der Fische: Makrelen würden das Mikroplastik, das oft in hoher Dichte an der Wasseroberfläche treibe, mit frisch geschlüpften Seenadeln verwechseln, die zur Beute des Raubfisches zählen. Die anderen Fische würden die Plastikpartikel eher zufällig mit fressen.

Effekte sind schwer einzuschätzen

Doch ob das Mikroplastik die Fische krank macht, können die Forscher noch nicht sagen. Hinweise hätte es in der Studie keine gegeben. Auch die Folgen für Menschen, die den Fisch verzehren, seien schwer einzuschätzen, sagt Lars Gutow vom AWI. Viele Plastikpartikel befänden sich in den Verdauungsorganen und würden beim Ausnehmen der Fische entfernt. Es sei jedoch möglich, dass sich im Darm der Tiere schädliche Chemikalien aus dem Plastik lösen und in den Körper gelangen. Gutow betont: "Wir sind mit der Erforschung der Effekte noch ganz am Anfang."

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