Stand: 29.02.2016 20:23 Uhr

Flugplatz Luneort: Alle Flieger sind fort

von Nadia Yaqub

Der Regionalflughafen Bremerhaven-Luneort ist Geschichte. Am Montag haben alle Maschinen das Gelände verlassen. Der Flugverkehr nach Helgoland wird ab sofort vom Flughafen Nordholz im Landkreis Cuxhaven abgewickelt, das gilt auch für Frachtflüge. Der Flughafen in Luneort wird aber nicht wegen Verlustgeschäften geschlossen. Der Grund für die Kündigung ist der Bau des Offshore Terminals OTB. Dort sollen in Zukunft bis zu 1.000 Tonnen schwere Fundamente und Rotorblätter für Offshore-Windkraftanlagen verladen werden. Das 180-Millionen Euro schwere Prestige-Projekt des Landes Bremen hat nicht nur Befürworter - vor allem Hobbyflieger kämpfen dafür, dass sich die Geschichte des Flughafen doch noch fortschreibt.

Hobbyflieger müssen nach 40 Jahren weg

"Es ist einfach nur schade", sagt Peter Jark, Vorsitzender des Bremerhavener Motorsegler- und Segelflug-Clubs (MSC). Mit der Schließung des Regionalflughafens im Stadtteil Luneort zum 1. März verliere sein Verein nun seine Heimat. Fristgerecht wurde dem Verein zwar bis Ende November 2015 gekündigt, trotzdem ist ein bitterer Nachgeschmack geblieben. "Seit fast 40 Jahren sind wir hier am Platz, nun werden wir einfach so rausgeworfen", so Jark.

"Chance für Bremerhavens Wirtschaft"

"Das ist eine riesige Chance für Bremerhavens Wirtschaft. Hier werden viele neue Arbeitsplätze entstehen", hält Luneort-Geschäftsführer Ralf Meyer dagegen. Er und seine zehn Flughafenmitarbeiter werden fortan in anderen Bereichen der Stadt Bremerhaven weiterbeschäftigt. "Ich kann verstehen, dass die Hobbyflieger sich nur ungern einen neuen Platz suchen. Aber es ist Zeit für etwas Neues", so Meyer.

Verein muss 250.000 Euro in Ausweichfläche investieren

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"Damit degradiert man Bremerhaven zur Provinz"

Dass der Flugplatz Bremerhaven-Luneort wegen eines Offshore-Hafens stillgelegt wird, sorgt bei Hobby-Fliegern für Bestürzung. Er hätte bei der Planung berücksichtigt werden sollen, sagen sie. (22.02.2016) Video (01:40 min)

Eine verkehrstüchtige Infrastruktur mit einem ständig anwesenden Flugleiter im Tower wird der MSC auf seiner neuen Ausweichfläche in Blexen nicht mehr vorfinden. Dort gibt es nur eine Rasenfläche - ohne Asphaltpiste und Flugzeughangar. Rund 250.000 Euro wird der Verein dort investieren müssen. Das ärgert Peter Jark: "Dann können wir auch keine 500 Menschen jährlich mehr fürs Fliegen begeistern", sagt er.

Hobbyflieger haben Klage eingereicht

Der Zug für das Offshore-Terminal sei längst abgefahren, behaupten Kritiker. Seit 2012 existiert in Cuxhaven Deutschlands größtes Offshore-Terminal. Ob sich noch ein zweiter Hafen dieser Größe rechnet, ist zumindest fraglich. Frühestens 2018 könnte der OTB in Bremerhaven in Betrieb genommen werden. Baumaßnahmen können Jark und sein Freund Markus Brandes vom Aero-Club Bremerhaven allerdings noch nicht entdecken. Eine Naturfläche wurde bereits gerodet und der Deich mit einigen Sandsäcken gesichert. "Einen Baubeginn kann ich aber nicht entdecken, deshalb hat die Schließung des Flughafens keine Rechtsgrundlage", meint Hobbyflieger Brandes. Die Motorflieger aus Bremerhaven haben Klage gegen die Schließung eingereicht, weil sie die Grundvoraussetzungen nicht erfüllt sehen.

Hobbyflieger kämpfen gegen Flugplatz-Schließung

Auch BUND klagt

Auch der BUND bezweifelt inzwischen die Sinnhaftigkeit des Offshore-Terminals und hat ebenfalls Klage eingereicht. Die Naturschützer sehen einen schweren Eingriff in das Weserwatt im Naturschutzgebiet Luneplate, der durch den wirtschaftlichen Nutzen des Vorhabens nicht mehr zu rechtfertigen sei. Die beiden Hobbyflieger Jark und Brandes hoffen, dass das Oberverwaltungsgericht Bremen möglichst bald ein Urteil fällt. Im schlechtesten Fall habe Bremerhaven am Ende weder einen Flughafen noch ein funktionierendes Offshore-Terminal.

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