Stand: 31.07.2014 19:57 Uhr

Fleischindustrie führt Verhaltenskodex ein

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Zusätzlich zum Mindestlohn hat sich die Fleischbranche auf weitere Mindeststandards für die Mitarbeiter geeinigt. (Archivbild)

Um den Ruf der Fleischbranche ist es nicht gut bestellt: Immer wieder ist sie wegen Dumpinglöhnen und schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen für die Beschäftigten aufgefallen. Parallel zum flächendeckenden Mindestlohn hat die Fleischwirtschaft sich nun auf einen Verhaltenskodex zum Umgang mit Beschäftigten geeinigt. Betriebe, die den Kodex unterschreiben, verpflichten sich, bestimmte Mindeststandards einzuhalten.

Messer müssen zur Verfügung gestellt werden

Demnach sollen die Unterkünfte der Leiharbeiter angemessen groß sein und über ausreichende Schlafplätze und sanitäre Anlagen verfügen. Für jeden Bewohner muss ein eigenes Bett mit Matratze und Kopfkissen bereitgestellt werden, dazu ein abschließbarer Schrank. Auch Sicherheitseinrichtungen wie Feuerlöscher oder Erste-Hilfe-Schränke müssen vorhanden sein. Weiterhin verpflichten sich die Betriebe, die Löhne an die Leiharbeiter bargeldlos auszuzahlen und das notwendige Werkzeug, also zumeist Messer, zur Verfügung zu stellen.

Angemessene Mieten und Transportkosten

Die Vereinbarung richte sich vor allem "an deutsche Unternehmen, die Verträge mit Dienstleistern haben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Ernährungswirtschaft (VDEW), Michael Andritzky. Die unterzeichnenden Betriebe verpflichten sich demnach dazu, auch im Ausland nur mit solchen Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die etwa bei Unterbringung und Transport ihrer Mitarbeiter vorgegebene Mindeststandards einhalten. Die Höhe der Miete muss sich am aktuellen Mietspiegel orientieren. Für den Transport zum Arbeitsplatz dürfen den Mitarbeitern laut VDEW nur Transportkosten in angemessener Höhe in Rechnung gestellt werden.

Weitere Unternehmen sollen unterschreiben

Nach den Worten Andritzkys hat eine Reihe von Unternehmen den Verhaltenskodex bereits unterschrieben. Weitere sollen folgen. Sanktionen bei Verstößen seien bisher aber nicht vorgesehen. "Wir vertrauen darauf, dass Firmen, die unterschrieben haben, sich auch daran halten", sagte Andritzky. Im Januar hatten sich die Arbeitgeber mit den Gewerkschaften auf einen Mindestlohn in der Fleischbranche geeinigt. Er tritt am 1. August in Kraft. Zunächst müssen 7,75 Euro gezahlt werden, ab Dezember dann 8 Euro und im Oktober nächsten Jahres 8,60 Euro.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.08.2014 | 08:00 Uhr