Stand: 10.09.2015 12:17 Uhr

Fleischindustrie: Rumäne kämpft für sein Recht

"Ich werde nie wieder arbeiten können, weil meine Hand gelähmt ist", sagt der Rumäne Stefan Decebal - und will Gerechtigkeit: 2008 kam er als Entsandter einer rumänischen Firma nach Cappeln im Landkreis Cloppenburg. Für das Unternehmen HMC sollte der 39-Jährige Puten ausnehmen und zerlegen. Eine Einarbeitung gab es nicht. Nach nur drei Tagen hatte Decebal einen Arbeitsunfall, danach wurde er schnell nach Rumänien zurückgebracht. Von dem rumänischen Subunternehmen, das ihn nach Deutschland geschickt hatte, erstritt er zwar rund 15.000 Euro Entschädigung, doch die Firma ging kurz darauf in die Insolvenz, das Geld bleibt aus. Deshalb fordert Decebal nun sein Geld vom deutschen Nachfolgeunternehmen Gut Bergmark ein, das seinen Sitz in Steinfeld (Landkreis Vechta) hat.

"Ich gehe nicht, bevor ich Gerechtigkeit erfahren habe"

Um seine Forderungen durchzusetzen, ist Decebal nach Deutschland zurückgekommen - und wohnt in einer Garage. "Ich gehe nicht, bevor ich Gerechtigkeit erfahren habe", sagt er. Daniela Reim von der Beratungsstelle für mobile Beschäftigte will Stefan Decebal helfen. Die Chancen, seine Forderungen vor Gericht durchzusetzen, sind ihrer Einschätzung nach allerdings nicht besonders gut. Trotzdem sagt sie: "Wir müssen diesen Mann irgendwie bis zum Schluss unterstützen." Das Unternehmen Gut Berkmark will laut Geschäftsführer Martin Willenborg eventuelle Forderungen anwaltlich prüfen lassen.

"Das ist kein Einzelfall"

Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sieht Gut Bergmark moralisch in der Pflicht zu helfen. Der Fall Stefan Decebal sei kein Einzelfall. In Bezug auf die Gesetzeslage habe sich zwar schon einiges getan, in der Realität der Fleischindustrie dagegen viel zu wenig. Besonders betroffen seien davon Entsandte, die über ausländische Subunternehmen nach Deutschland kommen. Noch immer arbeiteten Menschen ohne Sozialversicherung und Mindestlohn in der Fleischindustrie: "Immer wieder wenn sie krank sind, werden sie von heute auf morgen in einen Pkw oder Bus gesetzt und werden einfach zurückgekarrt und sich selbst überlassen", so Brümmer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.09.2015 | 17:00 Uhr