Stand: 09.01.2016 12:30 Uhr

Suche nach Lars Wunder: Ein letzter Funken Hoffnung

von Sebastian Dettmer

Herbert Mühlena sitzt mit seinem Neffen Johann am Küchentisch zu Hause in der Gemeinde Jemgum. Durch das Fenster können beide fast den Weg sehen, den Lars Wunder, der Schwiegersohn von Herbert Mühlena, vor genau einem Monat hätte nehmen sollen. In der Nacht zum Nikolaustag feiern alle drei gemeinsam bei einem Feuerwehrabend im Nachbarort Critzum. Es wird geknobelt und getrunken. Irgendwann nach 2 Uhr nachts verschwindet der 31-jährige Lars - und wird seitdem nie wieder gesehen.

Freunde und Verwandte suchen nach Gewissheit

Angehörige geben nicht auf

Einen Monat später besprechen Herbert und Johann Mühlena, wo sie noch suchen könnten. Am kommenden Wochenende, wenn das angesagte Tauwetter einsetzt, wollen sie den Hafen in Leer mit einem Boot absuchen, auch wenn sie hier wenn überhaupt nur noch einen Toten bergen könnten. Johann Mühlena macht das zu schaffen. Er ist wie sein Onkel in der Critzumer Feuerwehr. Die Kameraden haben seit der Nacht vor vier Wochen jeden erdenklichen Weg abgesucht, leer stehende Gebäude überprüft und sind mit Sonarbooten die nahegelegenen Gewässer abgefahren - ohne Erfolg. "Ich weiß nicht, wo wir noch nachsehen sollen", sagt Johann. "Aber sobald es irgendeinen Hinweis gibt, werden Leute zusammengetrommelt, und dann gehen wir dem nach. Aber das Schlimmste ist , dass es eben nicht einen einzigen Hinweis gibt. Kein Kleidungsstück, kein Zeuge, nichts."

Gefundenes Handy hilft nicht weiter

Nur das Handy von Lars Wunder ist in der Nähe auf einer Wiese aufgetaucht. Ausgeschaltet, aber der Akku war noch zu fast 70 Prozent voll. So konnten die Angehörigen nachvollziehen, dass der Vermisste gegen 3 Uhr in der besagten Nacht noch einmal mit dem Smartphone online gewesen sein muss. Gemeldet hat er sich aber nirgends.

Hoffnung auf Hinweise über Facebook

Das mysteriöse Verschwinden ohne jede Spur geht allen in dem kleinen Ort nahe. Insgesamt 200 Personen haben immer wieder nach Lars gesucht. Seine Frau, die Tochter von Herbert Mühlena, hat auf Facebook mehrere Aufrufe gestartet, mehr als 50.000 Mal wurden ihre Beiträge geteilt. Viele wollen den 31-Jährigen gesehen haben, aber ein entscheidender Hinweis war bisher nicht dabei. Die Polizei hat deshalb die Suche offiziell eingestellt. Die Familie will jedoch nicht aufgeben und jetzt auch weiter außerhalb der Gemeinde Jemgum suchen. Sogar an einen Aufruf bei "Aktenzeichen XY" hat sie schon gedacht, um den Fall auch bei Touristen oder Gastarbeitern bekannt zu machen, die sich inzwischen nicht mehr in der Gemeinde Jemgum aufhalten. 

Klammern an den letzten Strohhalm

"Die Stimmung ist so, als wäre er hier, man kann ihn nur nicht anfassen", beschreibt Herbert Mühlena seine Gefühlswelt. Er hofft noch immer ein klein wenig, den Mann seiner Tochter doch noch lebend zu finden. "Vielleicht ist er ja gefallen, hat sich verletzt und weiß nicht mehr, wer er ist, wurde vielleicht von irgendwem mitgenommen. Eventuell sieht Lars inzwischen ja auch ganz anders aus, hat einen Vollbart oder so", spekuliert Mühlena. Es klingt nach dem Klammern an den allerletzten Strohhalm. Aber der Schwiegervater hofft weiter auf einen Hinweis von Zeugen, die Lars vielleicht gesehen oder gar mitgenommen haben.

Die Ehefrau von Lars Wunder arbeitet inzwischen wieder. "Das Leben muss ja weitergehen. Sie ist vorbereitet auf das Schlimmste", sagt ihr Vater.  Der Neujahrswunsch der ganzen Familie sei: "Dass wir es schaffen, dass ein Hinweis kommt und wir dann irgendwann sagen können: Wir haben ihn!"

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