Stand: 05.02.2013 10:46 Uhr

Ein neues Bett für Moormann "Bernie"

An "Bernie" wird bereits seit Jahrzehnten geforscht.

Durchlöchert, von verrosteten Eisenstiften durchbohrt, mit Kunstharz überzogen - Moorleiche "Bernie" musste schon einiges über sich ergehen lassen. Unter den jüngsten Untersuchungen in Hamburg und Göttingen hat der 1.200 Jahre alte Moormann nicht ganz so arg leiden müssen - mit einem Computertomografen wurde das Skelett durchleuchtet. Aus den Daten soll in Zukunft eine dreidimensionale Nachbildung von "Bernie" entstehen. Mitte des Jahres kehrt die Moorleiche wieder ins Ostfriesische Landesmuseum in Emden zurück - mehr als 100 Jahre "Bernies" Zuhause.

"Bernies" Odyssee

"Untersuchungen an Moorleichen sind immer auch ein Spiegel über den aktuellen wissenschaftlichen Stand der Forschung", sagte Archäologe Jürgen Bär. 1907 fanden zwei Torfstecher "den Mann vom Bernuthsfeld" in der Nähe von Aurich. Zunächst verscharrten sie ihn aus Angst vor möglichen Mordverdächtigungen. Bei einem Kneipengespräch kam der Fund dann aber ans Licht. Ab da lagerte "Bernie" im Emder Museum und wurde Objekt zahlreicher Untersuchungen.

Ruhe für "Bernie"?

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"Bernie" wird bis ins Detail erforscht - hier Mikroskopaufnahmen der Kleidungsreste.

"Bernies" Geschichte dient als Anstoß für eine Ethik-Debatte in der Forschung. "Die Moorleiche sollte nicht mehr wie früher nur zur Schau gestellt werden", sagte Museumsdirektor Carsten Jöhnk. Besucher sollten nicht bloß einen Schauder-Effekt geliefert bekommen, sondern einen Menschen in seinem damaligen Umfeld erleben. Den einstigen Brauch, Geldstücke durch einen Schlitz im Schaukasten neben den Leichnam zu werfen, wird es ebenfalls nicht mehr geben. Zudem soll "Bernie" eine neue Lagerstätte bekommen - eine neutrale Unterlage, auf der der Moormann dann wohl wirklich seine letzte Ruhe finden wird - bis der Forschung etwas Neues einfällt.

Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 05.02.2013 | 09:30 Uhr