Stand: 14.02.2016 14:11 Uhr

Drama in Hunte: Retter müssen gerettet werden

Eine Suchaktion auf der Hunte bei Wardenburg (Landkreis Oldenburg) hat sich am Freitagabend zu einem Drama entwickelt - mit glücklichem Ausgang. Laut Stefan Buschmann, Ortsbrandmeister der Feuerwehr Wardenburg, hatte die Polizei die Feuerwehr gerufen, weil ein führerloses Kanu auf dem Fluss gesichtet worden war. Zunächst war nicht klar, ob eventuell Menschen über Bord gegangen waren und nun im eiskalten Wasser trieben. Deshalb rückten Feuerwehr und DLRG mit drei Booten aus. An einer Hunte-Brücke starteten dann zwei Motorboote zeitgleich flussabwärts Richtung Oldenburg, um den Fluss möglichst schnell abzusuchen.

"Ein untrainierter Schwimmer hätte das wohl nicht geschafft"

Doch schnell wurde aus der Suche für die Retter selbst zu einer gefährlichen Angelegenheit. Auch die DLRG Wildeshausen ließ ein Boot zu Wasser, um die entgegengesetzte Richtung zu kontrollieren. Kurz nach dem Start setzte aber der Motor aus, berichtet Lars Barkemeyer von der DLRG : "Wir haben das Boot zu Wasser gelassen, dann hat uns die Strömung gegen die Brücke gedrückt." Das Boot sei dann mit Wasser vollgelaufen, der Motor habe sich weiterhin nicht mehr starten lassen. "Es ging alles sehr schnell", sagt Barkemeyer, der eine Ausbildung als Strömungstaucher absolviert hat. Zwei seiner DLRG-Kollegen konnten sich an der Brücke festhalten, er selbst musste unter der Brücke hindurchtauchen. "Ein untrainierter Schwimmer hätte das wohl nicht geschafft", sagte er. Durch seine Ausbildung habe er aber die notwendigen Kenntnisse gehabt und sei unbeschadet wieder aufgetaucht. Selbst für die erfahrenen Retter war die Szene offensichtlich ungewöhnlich: Auf einem Video, das die Rettung dokumentiert, sind aufgeregte Schreie zu hören.

DLRG sieht keine Fehler bei Einsatz

Mögliche Fehler oder fahrlässiges Verhalten sieht die DLRG im Nachhinein nicht. "Ich hätte den Einsatz genauso gemacht", sagte der 1. Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Wildeshausen, Carsten Petermann, im Gespräch mit NDR.de. "Es war einfach großes Pech, dass der Motor des Bootes ausgefallen ist." Beim nächsten Mal könne man allerdings überlegen, ob man das Boot eventuell mit einer Leine zusätzlich absichert. Zunächst überwiege jedoch die Freude darüber, dass die Aktion glimpflich ausgegangen ist. "Wir sind heilfroh, dass nicht mehr passiert ist", so Petermann. Zwei der betroffenen Kollegen mussten nach dem Einsatz wegen eines Fingerbruchs beziehungsweise Prellungen an Hand und Rücken im Krankenhaus behandelt werden. Sie konnten aber noch am gleichen Tag entlassen werden.

Noch ein Feuerwehrmann landet im Wasser

Auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wardenburg und der Oldenburger Wasserretter haben bei ihrer Suche in der anderen Flussrichtung ein gefährliches Fiasko erlebt: Ein Feuerwehrmann lehnte sich beim Absuchen des Flusses zu weit aus dem Schlauchboot und fiel hinaus. Er konnte aber vom Ufer aus schnell gerettet werden. Genau wie zwei weitere Feuerwehrleute aus dem Boot wurde er kurz am Ufer wegen leichter Verkühlungen behandelt.

DLRG-Boot kentert bei starker Strömung

Sucheinsatz dennoch durchgeführt

Das ursprüngliche Ziel, Menschen aus der nach tagelangen Regenfällen starkes Hochwasser führenden Hunte zu retten, wurde damit zwar erreicht. Abgesehen von den Rettern selbst musste offenbar allerdings niemand gerettet werden. Die Suche nach der Besatzung des führerlosen Bootes sei trotz der widrigen Umstände in ausreichendem Umfang erfolgt, sagte Feuerwehrsprecher Stefan Buschmann gegenüber NDR.de. Viereinhalb Stunden wurde nach möglichen Insassen des Kanus gesucht, gefunden wurde aber niemand. Knapp 70 Einsatzkräfte waren insgesamt vor Ort.