Stand: 10.04.2013 15:00 Uhr

Dioxin-Prozess: Angeklagter bestreitet Schuld

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Die Genossenschaft soll von der Belastung mit Dioxin gewusst haben. (Archivbild)

Einer der beiden Hauptangeklagten im Dioxin-Skandal hat zum Prozessauftakt die Vorwürfe bestritten, wissentlich belastetes Futter verkauft zu haben. Sein Mitangeklagter äußerte sich vor dem Amtsgericht Vechta am Mittwoch zunächst nicht. Den beiden Ex-Vorständen des Futtermittelherstellers, der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft Damme (LBD), wird vorgeworfen, gegen das Lebensmittel- und Futterrecht verstoßen zu haben. Sie sollen ihren Kunden Anfang 2011 eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausgestellt haben, obwohl sie schon von einer möglichen Dioxinbelastung wussten. 4.500 landwirtschaftliche Betriebe in Niedersachsen mussten deswegen vorübergehend gesperrt, Zehntausende Legehennen und Schweine getötet werden.

Zuständigkeiten der Geschäftsführer angeblich klar getrennt

Der Angeklagte Klaus Tepe erklärte vorab gegenüber dem NDR, dass er für die Futtermittelherstellung gar nicht zuständig gewesen sei. Als einer von beiden Geschäftsführern habe er sich ausschließlich mit kaufmännischen Angelegenheiten beschäftigt. Tepes Anwalt betonte vor Gericht zudem, dass sein Mandant durch die Vorwürfe stark in seinem Leben beeinträchtigt worden sei. So habe er seinen Job bei der LBD verloren.

Futtermittel gegenüber Kunden als unbedenklich bezeichnet?

Die Genossenschaft aus dem Landkreis Vechta soll das belastete Futterfett Ende 2010 von dem Unternehmen Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein erhalten und an Mischfutter-Hersteller verkauft haben. Mindestens ein Landwirt könnte dadurch unbeabsichtigt belastetes Futter an seine Tiere gegeben haben. Erst auf Druck soll die LBD die vollständigen Lieferdaten an die Behörden weitergeleitet haben. Ein Zeuge des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz (LAVES) beschrieb die Zusammenarbeit mit der Genossenschaft vor Gericht als schwierig. Die Kundenlisten seien zunächst nur zögernd und unvollständig herausgegeben worden.

Lebensmittelskandale in Deutschland

Prozess geht am Montag weiter

Der erste Verhandlungstag lief durch zahlreiche Nachfragen und Beweisanträge sehr schleppend. Einige Zeugen mussten deshalb wieder nach Hause geschickt werden und können erst später befragt werden. Der Prozess soll am Montag fortgesetzt werden. Im Fall einer Verurteilung drohen den 48 und 63 Jahre alten Angeklagten Geldstrafen oder bis zu ein Jahr Haft.

Chronologie

Chronologie: Der Dioxin-Skandal

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.04.2013 | 14:30 Uhr