Stand: 06.02.2014 07:09 Uhr

Die Inseln sind zu teuer für die Insulaner

von Jessica Becker

"Für uns ist es die Insel des Lebens - ein Ort, an dem andere Urlaub machen." So schwärmen Katja und Ulf Zimmermann von ihrer Heimat, der Ostfriesischen Insel Langeoog. Seit 15 Jahren leben sie dort zusammen: Er gebürtiger Insulaner, sie zugezogen aus Berlin. Zusammen mit ihren drei Kindern genießen sie die Freiheit, die sie auf der Insel haben, sagen sie. Noch zumindest, denn für die Familie wird es immer schwieriger, eine passende Bleibe zu finden. Fünf Mal sind sie in den letzten sieben Jahren umgezogen: "Man hat immer Angst vor einem neuen Umzug, man muss immer hoffen. Neue Wohnungen sind wie ein Griff in die Wundertüte, weil man nie weiß, was man bekommt. Und ist die Wohnung nicht gut, hat man Pech gehabt, weil man nicht sofort was Neues findet. Das kann manchmal Jahre dauern. Für die Familie ist das eine Zerreißprobe", sagt die 35-jährige Bademeisterin.

1.200 Euro für 90 Quadratmeter

Das Problem: Wohnraum auf der Insel ist knapp. Seit Jahren schon steigen die Preise. Statt 1.000 Euro vor drei Jahren, zahlen die Zimmermanns jetzt 1.200 Euro für 90 Quadratmeter - ihr absolutes Limit, denn schon jetzt geht ein komplettes Gehalt direkt für die Miete drauf. Eigentum zu kaufen ist für die Familie keine Option: Selbst wenn es Wohnraum geben würde, würde den Zimmermanns schlicht das Geld dafür fehlen. So geht es auch anderen Familien auf der Insel, einige haben Langeoog schon verlassen und auch die Zimmermanns wissen nicht, wie lange sie sich das Leben auf der Insel noch leisten können: "Wenn man sich mal umschaut, merkt man schon, dass es immer weniger Insulaner werden. Vor allem die Älteren gehen, ich würde schätzen, dass wir 80 Prozent Touristen und 20 Prozent Insulaner hier auf Langeoog sind. Es ist eben so, dass man für sein Geld wenig bekommt. Um die Wohnungen, die es gibt, muss man sich fast prügeln, da nimmt man, was man kriegen kann", beschreibt Katja Zimmermann die Lage.

Bürgermeister ist machtlos

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Im Rathaus kennt man das Problem, hat jedoch kein Geld, um Wohnungen für Einheimische zu bauen.

Auch der Inselgemeinde ist das Problem bekannt. Doch wirklich viel machen kann sie nicht. Geld, um in neuen Wohnungsbau für Insulaner zu investieren, hat die Gemeinde nicht: "Diejenigen, die kein Eigentum haben, sind die Verlierer, weil sie den steigenden Mieten immer hinterher laufen müssen. Durch die Vermietung an Feriengäste sind diese generell sehr hoch. Werden dann noch die Grundstücke knapp, steigen die Preise", so Bürgermeister Uwe Garrels (parteilos). Er sorgt sich um das Bild seiner Insel. 1.770 Einwohner sind aktuell dauerhaft auf der Insel gemeldet. Doch Leute zu finden, die hier längerfristig arbeiten und leben wollen, wird immer schwerer. Für viele ist das Leben auf dem Festland am Ende einfacher: "Es ist aber essenziell, dass die Menschen hier auch wohnen - das machen sie aber nur, wenn sie davon auch leben und nicht nur überleben können."

Überlegungen, die Insel zu verlassen

Eine Sorge, die bei den Zimmermanns immer da ist. Sie haben Angst vor weiteren Mieterhöhungen. Sollte eines der beiden Gehälter einmal wegbrechen, beginnen für die fünfköpfige Familie erst die richtigen Probleme: "Manchmal hat man einfach keine Lust mehr zu kämpfen, da will man einfach nur zu Hause sein", sagt die 35-jährige Mutter. Noch aber ist und bleibt Langeoog ihre Heimat. Doch sollte sich nicht bald etwas ändern, muss auch Familie Zimmermann überlegen, wie lange ein Leben für sie dort noch finanzierbar ist.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 05.02.2014 | 19:30 Uhr

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