Stand: 10.08.2017 15:00 Uhr

Die Dreiviertel-Millionen-Feier der EWE

von Christina Gerlach

Klitschko-Affäre, Korruptionsvorwürfe, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen in Oldenburg und Osnabrück. Die EWE-Chefetage mutet der Öffentlichkeit und vor allem ihren rund 9.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerade einiges zu. Höchste Zeit also für einen Wohlfühltermin, eine "schöne gemeinsame Feier", die den Zusammenhalt stärkt. Unter dem Motto "EWE sind WiR" lässt sich der regionale Energieversorger die große Sause dabei einiges kosten: Feiern in der Krise!

"Viel Musik und leckeres Essen"

Am Freitag steigt das große Konzernbetriebsfest in der EWE-Arena in Oldenburg. In der Einladung, die dem NDR vorliegt, versprechen die beiden verbliebenen EWE-Vorstände Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher für den bunten Abend "natürlich viel Musik" und "leckeres Essen". Die ausgegebene Kleiderordnung unterstreicht den zwanglosen Charakter der Festivität: "Jackett, Krawatte und Hosenanzug dürfen gern im Schrank bleiben, lockere Freizeitkleidung erwünscht", heißt es in dem Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

750.000-Euro-Sause

Stolze 750.000 Euro hat die EWE für den bunten Abend eingeplant. Das Dankeschön des Vorstands ist allerdings offenbar nicht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig: Es liegen gegenwärtig nur rund 4.000 Anmeldungen vor - das ist weniger als die Hälfte der Beschäftigten im Konzern. Rechnet man den üppigen Etat dann auf die Zahl der angemeldeten Gäste um, macht das pro Kopf einen Betrag von knapp 190 Euro. Eine recht großzügige Summe, zumal ein anderer Energieversorger in der Region mit nur knapp der Hälfte kalkuliert, ein weiteres Unternehmen sogar bloß zehn Euro pro Mitarbeiter für sein Betriebsfest veranschlagt. Da sind dann bei der EWE eben mehr als nur zwei, drei Bierchen drin. Um den Führerschein muss sich trotzdem niemand sorgen, auch ein eigener Bustransfer ist organisiert. Bei mehr als zwei Stunden Anfahrt wird obendrein sogar eine Übernachtung auf EWE-Kosten übernommen.

Zusammen arbeiten und zusammen feiern

Befragt zum üppigen Festbudget, sagt der EWE-Aufsichtsratsvorsitzende Bernhard Bramlage gegenüber dem NDR, er höre das erste Mal von der Höhe der Summe. Bramlage sagte aber auch, dass man nicht nur zusammen arbeiten müsse, sondern eben auch mal zusammen feiern: "Das ist für den Zusammenhalt wichtig." Seit 2009 spendiere der regionale Energieversorger erstmals wieder eine zentrale Feier, ergänzt die EWE-Pressestelle. In den vergangenen Jahren hätten die zehn EWE-Tochtergesellschaften jeweils ihre Betriebsfeste selbst ausgerichtet. Einige behalten das auch jetzt bei, müssen aber trotzdem ihren Anteil zum zentralen Konzernbetriebsfest beisteuern. Dem NDR liegt die interne Liste vor, wonach etwa die EWE Netz mit 178.973 Euro zur Kasse gebeten wird. Die EWE Tel muss sich mit 128.373 Euro beteiligen und die Stadtwerke Bremen mit 87.331 Euro. Gerechnet werde mit dem Maximalbudget, schreibt Finanzvorstand Mücher. Die Verteilung erfolge nach der Zahl der angemeldeten Mitarbeiter der Tochterunternehmen. Die exakten Kosten würden nach der Veranstaltung ermittelt und könnten zu einer Reduzierung der Umlage führen.

Fiskus feiert mit

Der Einlass in die EWE-Arena war ursprünglich für 16 Uhr geplant, ist mittlerweile aber auf 17 Uhr verschoben. Was bei aller Feierlaune nicht vergessen werden sollte: Auch der Fiskus feiert mit. Der Teil des Pro-Kopf-Budgets, der 110 Euro übersteigt, gilt für das Finanzamt als sogenannter geldwerter Vorteil und muss deshalb versteuert werden. Einige Tochtergesellschaften sind deshalb dazu übergegangen, namentliche Anmeldungen ihrer Mitarbeiter zu erstellen. Für den Fall, dass das Finanzamt bei der nächsten Betriebsprüfung die Rechnung für das Konzernbetriebsfest mit der tatsächlichen Teilnehmerzahl abgleicht, um so zu kontrollieren, ob der geldwerte Vorteil auch wirklich vom EWE-Konzern versteuert wurde. Das bedeutet im Klartext, dass erst nach der Feier feststeht, ob die 110 Euro-Hürde gerissen wurde und wenn ja, ob das Finanzamt die dann fällige Steuer auch bekommen hat. 

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Aber ausgerechnet das Steuerrecht ist eine Schwachstelle bei der EWE, wie kürzlich bekannt wurde. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt seit geraumer Zeit gegen leitende Mitarbeiter der EWE Netz wegen nicht ordnungsgemäß versteuerter Schichtzulagen und Zuschläge. Mal schauen, ob es diesmal klappt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 10.08.2017 | 09:30 Uhr

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