Stand: 21.03.2016 19:37 Uhr

Die "Cap San Diego" darf wieder in See stechen

von Oliver Gressieker

Wenn eine "alte Dame" nach dreiwöchiger Kur ihre ersten Schritte macht, beziehungsweise die ersten Meter schwimmt, dann braucht sie Unterstützung. In diesem Fall sind es keine Krücken, sondern zwei Schlepper, die die "Cap San Diego" aus dem Trockendock ziehen. Seit dem 29. Februar wurde eines der ältesten Museums-Frachtschiffe der Welt in einer Werft in Bremerhaven auf Vordermann gebracht. Jetzt sind alle Arbeiten abgeschlossen und der ehemalige Stückgutfrachter kann am Mittwoch wieder in See stechen.

"Cap San Diego": Die "Alte Dame" ist wieder flott

Schiffsfreunde verfolgen das Ausdocken

Wie beliebt die mittlerweile 55 Jahre alte "Cap San Diego" ist, zeigte sich auch beim Ausdocken. Zahlreiche Menschen verfolgten das Manöver auf der anderen Seite des Hafenbeckens und schossen Erinnerungsfotos. "Das Schiff ist wirklich ein Prachtstück, so was sieht man nicht so oft hier", sagte ein älterer Mann und erntete jede Menge Zustimmung von den umstehenden Personen.

Alle Arbeiten verlaufen planmäßig

Auch für Projektleiter Marco Deichmann von German Dry Docks war die Instandsetzung des 160 Meter langen Museumsschiffes etwas ganz Besonderes. "Man hat ja schließlich nicht jeden Tag so ein außergewöhnliches Schiff in der Werft", sagte er im Gespräch mit NDR.de. Rundum zufrieden war Deichmann auch mit dem Verlauf der Arbeiten: "Alles hat bestens geklappt, vor allem die Zusammenarbeit mit der 23-köpfigen Besatzung lief hervorragend." In den vergangen drei Wochen wurde im Schichtsystem rund um die Uhr auf der "Cap San Diego" geschuftet, um insgesamt 200 Mängel abzuarbeiten. Der größte Brocken war ein völlig durchgerostetes Zwischendeck an Luke 1. "Hier mussten wir rund 80 Quadratmeter Stahl komplett erneuern", so Deichmann. Außerdem wurden der Rumpf des Schiffes saniert, zahlreiche Ventile ausgetauscht und eine Gangway instand gesetzt.

Das Museumsschiff Cap San Diego verlässt das Dock in Bremerhaven. © NDR Fotograf: Oliver Gressieker

"Cap San Diego" ist bereit für die Probefahrt

Es ist viel zu tun gewesen auf der "Cap San Diego". Jetzt sind die Arbeiten an dem alten Museumsschiff abgeschlossen - und die Probefahrt steht an.

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Überholung war für Schiffs-TÜV notwendig

Die Arbeiten waren notwendig, damit die "Cap San Diego" die sogenannte Klassenerneuerung erhalten konnte. Diese steht alle fünf Jahre an und ist eine Art TÜV für Schiffe. Die Kosten für die Werftarbeiten belaufen sich auf insgesamt eine Million Euro. Rund 400.000 Euro werden durch das Denkmalschutzprogramm des Bundes finanziert, den Rest übernimmt die Eignerin des Schiffes, die Stiftung Hamburger Admiralität.

Hamburg rettet den Frachter vor Verschrottung

Der Frachter ist das letzte noch erhaltene Exemplar einer Serie von sechs schnellen Stückgutfrachtern, die 1961/62 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden und bis 1981 vor allem nach Südamerika fuhren. 1986 sollte das Schiff, das damals unter dem Namen "Sangria" fuhr, eigentlich schon verschrottet werden. Doch die Hansestadt Hamburg kaufte den Frachter in letzter Minute und rettete ihn so. Seit 1988 liegt die "Cap San Diego" an der Überseebrücke in Hamburg. Von dort aus unternimmt sie dank einer Sondergenehmigung regelmäßig Fahrten nach Cuxhaven, Kiel, Wismar und Helgoland.

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Artikels wurde die "Cap San Diego" als ältestes Museumsschiff bezeichnet. Das ist falsch und wurde korrigiert.Danke an die User für den Hinweis in den Kommentaren.

Weitere Informationen

"Cap San Diego" - Der Besuch der alten Dame

Eines der ältesten fahrtüchtigen Museumsschiffe der Welt liegt seit Montag in einer Werft in Bremerhaven. Dort wird die "Cap San Diego" für den Schiffs-TÜV fit gemacht. (29.02.2016) mehr

13 Bilder

Die "Cap San Diego" - ein Stück Seegeschichte

Größtes Museumsfrachtschiff der Welt und Wahrzeichen der Hansestadt Hamburg: Die "Cap San Diego" in Bildern. Bildergalerie