Stand: 09.08.2016 15:33 Uhr

Ein Vierteljahrhundert im ewigen Eis

von Oliver Gressieker

Ny-Ålesund auf Spitzbergen ist ein kleiner, auf den ersten Blick unscheinbarer Ort mitten in der norwegischen Arktis. Im Sommer leben hier rund 200 Menschen, im Winter sind es sogar nur 30. Diese Zahlen täuschen allerdings über die Bedeutung von Ny-Ålesund hinweg, denn der Ort ist das wichtigste internationale Zentrum für die Arktis-Forschung. Seit 1991 betreibt hier auch das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) eine Station, die 2016 ihr 25-jähriges Jubiläum feierte.

Forschungsbasis am Rande der Zivilisation

Erste Messungen im Jahr 1988

Eine große Feier ist nicht geplant, dennoch ist dieser Tag vor allem für Roland Neuber etwas ganz Besonderes. Der wissenschaftliche Koordinator des AWI hat die Einrichtung der ersten permanenten Arktis-Station Ende der 1980er-Jahre maßgeblich vorangetrieben. "1988 sind wir auf Einladung des norwegischen Polarinstituts zum ersten Mal nach Ny-Ålesund gefahren, um Messungen zur Ozonschicht vorzunehmen", erinnert sich der 57-Jährige im Gespräch mit NDR.de. "Danach haben wir von den Norwegern das Angebot bekommen, hier eine eigene Station aufzubauen."

Planungen nehmen schnell Form an

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Projektleiter Roland Neuber hatte maßgeblichen Anteil an der Errichtung der deutschen Arktis-Station.

Das AWI, das bis dahin hauptsächlich in der Antarktis tätig war, ließ sich nicht lange bitten. Unter Leitung von Neuber wurde mit dem sogenannten Blauen Haus, das damals leer stand, die passende Immobilie gefunden und zur Forschungsstation umgebaut. "Ich habe selbst die ersten Geräte dorthin gebracht und die Einrichtung organisiert", sagt Neuber. "Das ist zweifellos das wichtigste Projekt meines Berufslebens." Der große Vorteil des Standortes war, dass sich das AWI nicht um die Infrastruktur kümmern musste. "Die gesamte Logistik von der Strom- und Wasserversorgung bis zur Verpflegung der Mitarbeiter wird vom norwegischen Staatsbetrieb Kings Bay organisiert", so Neuber.  

"Meilenstein für die Arktis-Forschung

Entsprechend schnell konnten die Planungen umgesetzt werden. Bereits im Sommer 1990 zogen die ersten Mitarbeiter in das "Blaue Haus" ein, ehe die erste permanente deutsche Arktis-Station am 10. August 1991 schließlich offiziell eröffnet wurde. Benannt wurde sie nach dem deutschen Forscher Carl Christian Koldewey, der zwischen 1868 und 1870 zwei bedeutende Expeditionen ins Nordpolarmeer leitete. "Die Einrichtung der Station war ein Meilenstein für die deutsche Arktis-Forschung", so Neuber im Rückblick. Hauptziel der Wissenschaftler war in den ersten Jahren die Erforschung der Ozonschicht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.08.2016 | 08:00 Uhr

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