Stand: 04.03.2016 09:54 Uhr

Denkmalschützer kämpfen für Oldenburgs Gleishalle

Schutz vor Wind und Wetter bietet die marode Dachkonstruktion den Reisenden schon längst nicht mehr. Doch die Oldenburger hängen an ihren historischen Bahnsteigdächern. Auch wenn schon seit drei Jahren die Verglasung fehlt. Ein Abriss kommt für Denkmalschützer von der Oldenburgischen Landschaft nicht infrage. Stattdessen fordern sie eine denkmalgerechte Sanierung. Und auch die Stadt will den Jugendstil-Bau erhalten. Ganz anders die Deutsche Bahn: Sie plant, die Gleishalle aus Kostengründen abreißen und durch moderne Bahnsteigdächer ersetzen lassen.

Historische Stahlträger brauchen Unterstützung

Einzigartig in Niedersachsen

Der Bau, in den Jahren 1911 bis 1915 aus genietetem Stahl und Glas errichtet, gehört zu den wenigen noch erhaltenen Bahnhöfen mit Gleishalle. Neben Oldenburg haben unter den norddeutschen Fernbahnhöfen nur noch Hamburg Hauptbahnhof, Hamburg Dammtor und Bremen Hauptbahnhof eine ähnliche historische Bedachung. "Zusammen mit dem Empfangsgebäude und dem Fürstenbau ist die Gleishalle konstitutiver Bestandteil des einmaligen Ensembles 'Hauptbahnhof Oldenburg', dessen überregionale Bedeutung als Denkmal allgemein anerkannt ist", heißt es in einem Memorandum der Oldenburgischen Landschaft.

Abriss kostet nur ein Fünftel der Sanierung

Auch die Stadt Oldenburg hält die historische Form für "sehr erhaltenswert". Jetzt sollen gemeinsam mit Bahn und Denkmalschützern Alternativen diskutiert werden. Die Kosten für eine mögliche Restaurierung beziffert die Bahn mit rund 50 Millionen Euro. Der Ersatz der Bahnsteigdächer würde allerdings nur etwa zehn Millionen kosten, so die Bahn. Bereits im Februar 2013 war die marode Verglasung entfernt worden.

"Wie jeder private Eigentümer denkmalgeschützter Bauten müsste auch die Bahn nachweisen, dass ein Erhalt finanziell unzumutbar wäre", sagte der Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Thomas Kossendey.

Dritte Variante: Rekonstruktion

Dritte Option neben Neubau und Sanierung: ein Abriss mit anschließender Rekonstruktion der Halle. "Eine solche Replik würde etwa 18 bis 20 Millionen Euro kosten", sagte ein Bahnsprecher. Bislang sei allerdings noch nicht klar, in welchem Zustand die Fundamente und Träger sind. Die endgültige Entscheidung über das Verfahren liegt beim Eisenbahnbundesamt.