Stand: 19.03.2016 14:32 Uhr

Wo C64, Atari & Co. zu neuem Leben erweckt werden

von Oliver Gressieker

Wer in den 1980er-Jahren am C64 "Summer Games" gespielt oder am Amiga erste Grafiken erstellt hat - bei dem werden an diesem Ort ganz sicher viele Erinnerungen wach: Im Oldenburger Computer-Museum präsentieren Initiator Thiemo Eddiks und seine Mitstreiter seit mittlerweile sieben Jahren zum Teil geschichtsträchtige Rechner aus der Zeit von 1973 bis 1990. Das Besondere daran: Egal ob es sich um den ersten Apple Macintosh, einen elf Kilogramm schweren Laptop von Osborne oder eben den C64 handelt - alle Geräte sind voll funktionstüchtig und dürfen von den Besuchern benutzt werden.

Vom C64 über den ersten Mac bis zu Arcade-Klassikern

"Manche Besucher haben sogar Tränen in den Augen"

"Uns ist es ganz wichtig, dass die Gäste die Rechner ausprobieren", sagt Eddiks im Gespräch mit NDR.de. Es sei dabei immer wieder faszinierend zu sehen, welch emotionale Reaktionen die Ausstellungsstücke auslösen. "Manche Besucher haben sogar Tränen in den Augen", erzählt der Museumsgründer. Außerdem höre er oft Sätze wie "Mit diesem Computer habe ich meine Diplomarbeit geschrieben" oder "Das war der allererste Rechner von meinem Sohn".

Reise durch die Computer-Geschichte

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Museumsgründer Thiemo Eddiks teilt seine Sammel-Leidenschaft mit interessierten Besuchern.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit den ersten Geräten der Computer-Pioniere Commodore und Apple. Später folgen Rechner von IBM, Schneider und Atari sowie der erste tragbare Computer der Firma Osborne. Besonders fasziniert ist Eddiks allerdings von einer anderen Erfindung: der grafischen Windows-Oberfläche von Microsoft, die 1990 auf den Markt kam. "Dieses System ist seit mehr als zwei Jahrzehnten das Maß aller Dinge", sagt er. Erst jetzt bekomme es langsam Konkurrenz von Geräten mit Touchscreens. Dass sich diese immer mehr durchsetzen, verdeutlichte ihm kürzlich eine siebenjährige Besucherin. "Das Mädchen berührte die ganze Zeit die Monitore, weil sie es so vom Tablet ihres Vaters kennt", erzählt Eddiks mit einem Schmunzeln.

Oldenburger Computer-Museum

Bahnhofsplatz 10
26122 Oldenburg

aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise siehe Website des Museums

Museum entsteht aus privater Sammlung

Das Computer-Museum, das von einem Verein mit 165 Mitgliedern ehrenamtlich betrieben wird, hat seinen Ursprung in der Sammel-Leidenschaft von Eddiks. Mitte der 90er-Jahre begann der hauptberufliche 3-D-Grafiker damit, nach den Rechnern seiner Jugend zu suchen. Nach und nach wurde er fündig und die Sammlung immer größer. "Als ich 300 Geräte zusammen hatte, wollte ich diese irgendwann auch zeigen“, so der 42-Jährige. Aus einer ursprünglich sechswöchigen Ausstellung im November 2008 entstand schließlich das Museum. "Die Resonanz war so überwältigend, dass wir einfach nicht wieder einpacken durften", sagt Eddiks. Glücklicherweise waren die Räume in der Oldenburger Innenstadt damals gerade frei und die Computer durften bleiben.

Umzug in größere Räume

Da Eddiks seine Sammlung immer weiter vergrößerte, reichten die rund 50 Quadratmeter Fläche allerdings schon bald nicht mehr aus. Viele Exponate mussten im Lager bleiben, bis der Verein im Sommer 2013 ein neues Domizil im ehemaligen Hauptpostgebäude am Bahnhof fand. In ihrer Freizeit renovierten die Vereinsmitglieder die Räume mit großem Engagement, sodass das Museum im August 2014 neu starten konnte.

Drei Arcade-Automaten. © NDR Fotograf: Oliver Gressieker

Zwischer Flippern und Arcade-Automaten

Das Computer-Museum in Oldenburg stellt nicht nur technische Relikte der 70er- und 80er-Jahre aus - die Apparate dürfen auch bespielt werden. Mehr als 30 Automaten warten auf Spieler.

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Flipper und Arcade-Automaten ergänzen das Angebot

Seit der Wiedereröffnung gibt es auch eine eigene Abteilung für elektronische Spielgeräte. In einem großen Raum stehen rund zwei Dutzend Flipper und Arcade-Automaten, wie sie in den 80er-Jahren häufig in Kneipen zu finden waren. Darunter sind Fahr- und Flugsimulatoren, aber auch Klassiker wie zum Beispiel das Spiel "Puck Man". Die Geräte stammen aus dem Privatbesitz von sechs Vereinsmitgliedern, die sie dem Museum zur Nutzung überlassen haben. "Das Faszinierende an den Arcade-Automaten ist, dass sie die ursprünglichste Form von Videospielen sind", sagt Jörn Stumpe, dem ein Großteil der Geräte gehört. Einmal im Monat haben Besucher die Möglichkeit, hier ausgiebig zu zocken. Außerdem gibt es in unregelmäßigen Abstanden Veranstaltungen wie das Flipper/Arcade-Turnier, dass an diesem Wochenende ausgetragen wird.