Stand: 29.02.2016 20:30 Uhr

"Cap San Diego" - Der Besuch der alten Dame

von Frank Jakobs

Salzwasser, Stürme und sengende Sonne sind nicht gut für den Teint. Deshalb folgen nun drei Wochen Kur für eine betagte Dame: Das Hamburger Museumsschiff "Cap San Diego" liegt seit Montag in Bremerhaven im Dock auf dem Trockenen. Dort soll der mehr als 50 Jahre alte Frachter nun wieder auf Vordermann gebracht werden.

Das Museumsschiff wird wieder flottgemacht

Der 160 Meter lange und knapp 22 Meter breite Stückgutfrachter steht mit seinem Kiel nun auf Pallen, etwa kniehohen Holzblöcken. Der untere Rumpf ist übersät mit kleinen Muscheln. Die Werftarbeiter werden in den kommenden Wochen das Schiff reinigen, überholen und reparieren: "Die größte Arbeit ist die Luke 1. Dort muss ein komplettes durchgerostetes Deck erneuert werden. Das sind ungefähr 80 Quadratmeter Stahl", sagt der Geschäftsführer der Cap-San-Diego-Betreibergesellschaft, Kapitän Jens Weber. Die Kosten dafür schätzt er auf etwa 100.000 Euro. Der Rost sei eine Spätfolge der Ladungen, denn auf der Südamerikaroute des Schiffes seien gesalzene Rinderhäute in der Luke transportiert worden, die noch feucht waren. Ähnlich hohe Kosten verursacht voraussichtlich die Überholung der Tanks. "Die müssen zunächst gereinigt und dann muss ihre Dicke gemessen werden. An einigen Stellen sind die Wände durch Rost schon so dünn, dass auch diese ausgetauscht werden müssen", so Weber. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Werftarbeiten auf rund eine Million Euro. Etwa 400.000 Euro davon kommen aus dem Denkmalschutzprogramm des Bundes - den Rest trägt die Stiftung Hamburger Admiralität als Eignerin.

135 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die "Cap San Diego"

Die 11.650 PS starke Maschine des Frachters bleibt auf der Werft jedoch unangetastet. "Dafür haben wir unsere eigenen Fachleute", sagt Weber. 135 ehrenamtliche Helfer kümmern sich um die 55 Jahre alte Dame. Viele davon sind ehemalige Seeleute. Wenn die Arbeiten an dem Schiff fertig sind, wird die "Cap San Diego“ erneut klassifiziert und zwar vom Schiffsgutachter DNV GL. Die Klassifikationsgesellschaft ist 2013 durch den Zusammenschluss von Det Norske Veritas aus Norwegen und dem Germanischen Lloyd entstanden. Alle fünf Jahre steht diese sogenannte Klassenerneuerung für die "Cap San Diego" an.

Seit 1988 in Hamburg

Der Frachter ist den Angaben zufolge das größte noch fahrtüchtige zivile Museumsschiff der Welt. Es ist das letzte noch erhaltene Exemplar einer Serie von sechs schnellen Stückgutfrachtern, die 1961/62 für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden und bis 1981 vor allem nach Südamerika fuhren. 1986 sollte das Schiff verschrottet werden. Damals fuhr es unter dem Namen "Sangria". Doch die Hansestadt Hamburg kaufte das Schiff in letzter Minute und rettete es. Seit 1988 liegt die "Cap San Diego" an der Überseebrücke in Hamburg. Von dort aus unternimmt sie dank einer Sondergenehmigung regelmäßig Fahrten nach Cuxhaven, Kiel, Wismar und Helgoland.

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