Stand: 08.02.2016 21:34 Uhr

Borkum: Flüchtlinge müssen Jugendherberge verlassen

von Frank Jakobs
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Mitte März müssen die Flüchtlinge ihr Quartier in der Jugendherberge auf Borkum räumen.

"Wir sind überglücklich, dass wir diese Jugendherberge haben", sagt Maike Duis vom Landkreis Leer. Ohne diese Unterkunft mit 611 Betten hätte der Landkreis wohl Schwierigkeiten gehabt, die insgesamt 1.326 Flüchtlinge unterzubringen, die in den vergangenen Monaten auf Borkum ankamen. Sowohl die Unterbringung als auch die Betreuung der Hilfebedürftigen habe gut geklappt, sagt Duis. Zwei Initiativen von Insulanern hätten sich um Kleidung, Spielsachen und Deutschkurse gekümmert. Zum Teil seien Pakete mit Kleidung aus ganz Deutschland auf die Insel geschickt worden. Durch dieses Engagement seien sogar Freundschaften entstanden, die auch jetzt noch fortdauerten. Die Jugendherberge, die nach Angaben von Duis die größte Deutschlands ist, wird jedoch nicht mehr lange als Notunterkunft zur Verfügung stehen.

"Wir suchen nach Wohnungen"

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Am 18. März läuft der Vertrag zwischen der Jugendherberge und dem Landkreis Leer aus. Danach sollen in den Zimmern wieder Schulklassen und Urlaubsgäste unterkommen. "Bisher sind noch 52 Flüchtlinge in der Jugendherberge untergebracht", sagt Joachim Bakker vom Ordnungsamt der Stadt Borkum. Sie werden nun vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verschiedenen Kommunen zugewiesen. Auch auf der Insel Borkum werden weiterhin Flüchtlinge leben. "Uns wurden 76 Flüchtlinge zugewiesen", so Bakker. 33 seien schon in Wohnungen untergebracht, die die Stadt angemietet habe. Derzeit würden noch weitere 20 Wohnungen vorbereitet. Ob Borkum tatsächlich alle 79 zugewiesenen Flüchtlinge unterbringen kann, ist indes fraglich. "Wir suchen nach Wohnungen", sagt Bakker. Allerdings sei es schwierig, diese auch zu finden. Viele Wohnungen würden auf der Urlaubsinsel als Ferienunterkunft genutzt.

Flüchtlinge und Urlauber wohnen gemeinsam

In den buchungsarmen Wintermonaten hatten zahlreiche Jugendherbergen in ganz Deutschland Flüchtlinge aufgenommen, statt ihren Betrieb für die Zeit zu schließen. Etwa fünf Prozent der rund 500 Jugendherbergen in Deutschland werden derzeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt. "In Oldenburg oder Bremen haben Flüchtlinge und Urlauber zusammen in den Herbergen übernachtet", sagte Bernd Dohn, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Jugendherbergswerks. Besonders Schulklassen hätten bei dieser gemischten Unterbringung viele positive Eindrücke mitgenommen, so Dohn.

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