Stand: 27.01.2016 20:38 Uhr

Beluga-Prozess: Stolberg geständig - teilweise

Lange schwieg er zu den Vorwürfen. Jetzt hat Ex-Reeder Niels Stolberg vor dem Bremer Landgericht im Wirtschaftsstrafprozess um die vor rund fünf Jahren Pleite gegangene Reederei Beluga ausgesagt - und zeigte sich teilweise geständig. Der 55-Jährige sagte am Mittwoch vor dem Landgericht Bremen, die Vorwürfe der Bilanzfälschung für das Jahr 2009 sowie für das erste Quartal 2010 seien zutreffend. Es seien Scheinumsätze verbucht worden. Von sich gewiesen hat Stolberg aber den Vorwurf des Kreditbetruges. Den Banken sei bei dem Finanzierungsmodell seiner Reederei für Schiffsneubauten kein Schaden entstanden, sagte er. Stolberg betonte: "Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt persönlich bereichert."

"Ich war der Kapitän"

Drei ebenfalls angeklagte frühere Mitarbeiter von ihm nahm er in Schutz. Zwar habe er nicht immer alle Details gekannt, dennoch trage er für die zu verhandelnden Sachverhalte die Verantwortung. "Ich stand als Kapitän auf der Brücke", sagte Stolberg.

Auch Betrug und Untreue weist Stolberg von sich

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Nach NDR Informationen hatte Stolberg schon vor Prozessbeginn Geständisse abgelegt. Allerdings: Die juristisch schwerwiegendsten Vorwürfe der Untreue und des Betrugs hatte der Ex-Reeder ebenfalls ausgeklammert. Im Jahr 2010, als die Banken keine Kredite mehr geben wollten, war der US-Finanzinvestor Oaktree bei Beluga eingestiegen. Laut Anklage soll Stolberg die Geschäftspartner unter anderem über die Höhe seines eingebrachten Eigenkapitals an Schiffsneubauten getäuscht haben. Auch eine Hamburger Reederei soll von Stolberg betrogen worden sein. Sie soll von Stolberg bestehende Verträge über Schiffsneubauten übernommen haben. Die sogenannten Kickback-Zahlungen der chinesischen Bauwerft in Höhe von zehn Millionen Euro sollen allerdings trotzdem an Stolberg geflossen sein - ohne Wissen der Hamburger Reederei. Der Prozess dürfte mindestens bis zum Herbst dauern.

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Regional Oldenburg | 27.01.2016 | 17:00 Uhr