Stand: 20.01.2016 20:20 Uhr

Beluga-Prozess: Schwere Vorwürfe gegen Stolberg

Es ist einer der größten Wirtschaftsprozesse der Schifffahrtsbranche: Vor dem Landgericht Bremen hat am Mittwoch der Prozess gegen den ehemaligen Chef der Beluga-Reederei, Niels Stolberg, begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen Betrug und Untreue vor. Stolberg habe mit einem Mitangeklagten in einem "gemeinsamen Tatplan" die Investitionskosten für 20 Schiffsneubauten überhöht dargestellt, um höhere Kredite zu bekommen, sagte Staatsanwalt Frank Passade bei der Verlesung der Anklageschrift. Auf diese Weise soll die Bremer Landesbank teilweise sogar mehr als 100 Prozent des Gesamtvolumens für Schiffsneubauten finanziert haben.

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Stolberg will aussagen - und auch einiges gestehen

Stolberg droht bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe. Ein Deal scheint ausgeschlossen zu sein: Ein Gerichtssprecher betonte vor Prozessbeginn, dass es zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung vorab keine Gespräche mit dem Ziel einer Verständigung gegeben habe. Am ersten Prozesstag hatte die Anklage das Wort: Mehr als zwei Stunden lang verlasen die Staatsanwälte insgesamt drei Anklagen. Am kommenden Mittwoch will sich dann Stolberg äußern. 60 bis 90 Minuten werde die Aussage seines Mandanten dauern, kündigte Verteidiger Bernd Groß an. "Dabei wird sich vieles relativieren", versprach Groß, "einiges wird sich als falsch herausstellen und zu den Sachen, wo Herr Stolberg die Verantwortung zu übernehmen hat, und es sozusagen auch Vorwürfe gibt, die berechtigt sind, wird Herr Stolberg sich auch dazu bekennen."

Drei weitere ehemalige Mitarbeiter angeklagt

Die Bremer Staatsanwaltschaft wirft Stolberg auch Bilanzfälschung vor. Geschädigt wurde dabei nach Aussage der Ermittler unter anderem der US-amerikanische Investor Oaktree, der 2010 bei der krisengeplagten Beluga eingestiegen war. Kurz darauf meldete Beluga Insolvenz an. Neben dem Ex-Reeder müssen sich drei weitere ehemalige Beluga-Mitarbeiter vor Gericht verantworten. Sie sollen nach NDR Informationen in den vergangenen Monaten detailliert ausgesagt haben. Auch Stolberg selbst soll sich vor der Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen eingelassen haben. Zum Beispiel, dass die Auftragsbücher gefälscht gewesen sein sollen, um die mit Oaktree ausgehandelte Finanzspritze in Höhe von 129 Millionen Euro nicht zu gefährden. Dass seine Unterschrift unter dem entsprechenden Schriftstück ein Fehler war, soll Stolberg den Ermittlern gegenüber eingestanden haben. Seine Begründung: Er habe den Inhalt nicht geprüft.

Ein Verfahren mit 32 Beschuldigten

Die Geständnisse der anderen Beteiligten sind nicht unerheblich für das Strafmaß. Sie sollen betont haben, sie hätten immer nur auf Anweisung von Stolberg gehandelt: fingierte Umsätze, gefälschte Schiffsstornierungen bei Schiffsneubauten, Scheinrechnungen. Insgesamt gibt es in dem Verfahren 32 Beschuldigte. Zwei haben bereits einen Strafbefehl akzeptiert, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde mitteilte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 20.01.2016 | 15:30 Uhr