Stand: 01.02.2013 17:11 Uhr

Anklage gegen Ex-Reeder Niels Stolberg

von Christina Gerlach
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Auf den Ex-Chef der Beluga-Reederei kommen noch weitere Anklagen zu. (Archiv)

Für den Gründer der inzwischen nicht mehr existierenden Beluga-Reederei, Niels Stolberg, wird es juristisch ernst. Die Staatsanwaltschaft Bremen hat Anklage wegen Kreditbetrugs gegen ihn sowie den ehemaligen Leiter der Schiffs-Finanzierungsabteilung erhoben. Ihnen werden Nebenabsprachen mit einer holländischen Werft vorgeworfen. Sie zahlten laut Staatsanwaltschaft überhöhte Preise, verschwiegen aber den kreditgebenden Banken, dass die Kosten weitaus geringer waren. Den Gewinn sollen sich Stolberg und die Werft geteilt haben.

Die Beluga-Reederei

1995 gründete Niels Stolberg die Bremer Reederei Beluga Shipping. Zu Hochzeiten betrieb das auf Schwerlasttransporte spezialisierte Unternehmen rund 70 Schiffe. Das Unternehmen wies für 2009 einen Umsatz von 415 Millionen Euro aus, 2010 beteiligte sich der US-Investor Oaktree an dem Konzern. Mithilfe dessen Kapitals sollte die weitere Expansion des Unternehmens finanziert werden. Kurz darauf erstattete Oaktree Anzeige gegen Stolberg mit der Begründung, er habe bei der Übernahme nicht richtig über die wirtschaftliche Situation seines Konzerns informiert. 2011 musste Stolberg gehen und das Unternehmen meldete Insolvenz an. Die Firmengruppe wurde abgewickelt. 670 Mitarbeiter waren von der Pleite betroffen. Ein Teil der Schiffe wurde von der Schwerlastreederei Hanse Heavy Lift, einer neuen Oaktree-Reederei, mit Sitz in Hamburg übernommen.

Stolberg und Mitarbeiter liefern Teilgeständnis

Stolberg wie auch sein ehemaliger Mitarbeiter waren offenbar teilgeständig, sagte Frank Passade, Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, NDR 1 Niedersachsen: "Die Angeschuldigten haben sich nicht auf ihr Aussageverweigerungsrecht zurückgezogen, sondern haben im Ermittlungsverfahren Angaben gemacht."

Weitere Anklagen folgen

Laut Staatsanwaltschaft geht es bei dem Kreditbetrug um 20 Schiffe und eine Gesamtsumme von mehr als 93 Millionen Euro. Stolberg wollte sich dem NDR gegenüber nicht äußern. Seit die Bremer Staatsanwaltschaft im März 2011 die Ermittlungen aufgenommen hat, ist dies die erste Anklage. Aber möglicherweise nicht die letzte, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Passade: "Was feststeht, ist, dass der Ermittlungskomplex Beluga durch diese Anklage nicht abgeschlossen ist, sondern dass es weitere Ermittlungsfelder gibt, in denen die Ermittlungen noch andauern." Diese betreffen den Verdacht auf Bilanzfälschung und auf Veruntreuung von Spendengeldern. Letzteres ließ Stolberg über eine Kommunikationsagentur zurückweisen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 31.01.2013 | 17:00 Uhr