Stand: 03.12.2015 09:56 Uhr

Sumte: Region profitiert von 600 Flüchtlingen

Es ist ein rasanter Einwohnerzuwachs, den der kleine Ort Sumte in der Gemeinde Amt Neuhaus im vergangenen Monat erlebt hat: Waren die 102 Dorfbewohner Ende Oktober noch unter sich, leben sie jetzt Tür an Tür mit mittlerweile 587 Flüchtlingen. Menschen aus 25 Nationen wohnen in dem einst leer stehenden Bürokomplex am östlichen Rand von Niedersachsen. Die meisten von ihnen kommen aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan. Die Sorgen, die die Bürger im Vorfeld hatten, haben sich offenbar weitestgehend in Luft aufgelöst. Im Dorf hat sich nicht viel verändert. Nur an einer Pferdekoppel hängen nun auch Schilder auf Englisch und Arabisch, die davor warnen, die Tiere zu füttern. "Es gab bislang keine großen Probleme in Sumte - alles auf Kurs", sagt Jens Meier, der Leiter der vom Arbeiter-Samariter-Bund betriebenen Notunterkunft. Und nicht nur das: Die Flüchtlingsunterkunft wirkt sich sogar positiv auf die Region aus.

Kleines Sumte wird zum großen Flüchtlingsdorf

Viele Arbeitsplätze sind entstanden

66 Arbeitsplätze sind laut Meier bereits in der Unterkunft entstanden. Auf mindestens 90 sollen sie noch aufgestockt werden, so Meier. Fünf Beschäftigte kämen aus Sumte. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Amt Neuhaus, Grit Richter (parteilos), bestätigt, dass viele Menschen aus der Region Arbeit in der Unterkunft gefunden hätten und die Arbeitslosigkeit gesunken sei. Auch sie sieht keine größeren Probleme durch die Flüchtlingsunterkunft. "Das Miteinander läuft schon recht gut", sagt sie. Die Sumter brächten sich gut ein. Aufgrund des Verhältnisses der Einwohnerzahl Sumtes zur anvisierten Zahl von 750 Flüchtlingen, die insgesamt in dem Gebäude unterkommen sollen, war das Dorf international in die Schlagzeilen geraten und zum Symbol für den positiven Umgang mit der Flüchtlingskrise geworden.

Mehr als 100 Familien mit 189 Kindern

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Mehr als 100 Flüchtlingsfamilien mit 189 Kindern unter 15 Jahren leben derzeit in der Unterkunft. Dementsprechend lebendig geht es dort zu. Die Flüchtlinge können Angebote wie Deutschunterricht und Staatsbürgerkunde nutzen oder sich Kinovorführungen anschauen, gemeinsam Musik oder Sport machen. In der Unterkunft gibt es zudem eine Kantine, eine Wäscherei, eine Krankenstation und einen kleinen Laden. Mittlerweile gibt es auch eine stabile Internetverbindung. Nur auf Festnetz zum Telefonieren müssen die Angestellten noch warten.

Verlobungs-Feier in der Unterkunft

Ein erstes Highlight haben die Flüchtlinge und Helfer in der Einrichtung auch schon erlebt: Laut Einrichtungs-Leiter Meier hat sich ein Flüchtlingspärchen in Sumte kennengelernt und in der Unterkunft seine Verlobung gefeiert. "Eine arabische Feier, das war beeindruckend."

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