Stand: 14.12.2015 14:18 Uhr

Staatsschutz ermittelt nach Brandanschlag

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Der Anschlag in Bad Bevensen hat laut Polizei vermutlich fremdenfeindliche Hintergründe.

Nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Bad Bevensen (Landkreis Uelzen) ermitteln die Behörden wegen eines möglichen politischen Hintergrunds. Der für Straftaten in diesem Bereich zuständige Staatsschutz habe die Arbeit aufgenommen, sagte Polizeisprecher Kai Richter am Montag. Außerdem sei eine eigene Ermittlungsgruppe eingerichtet worden.

Anschlag als Folge von Zeitungsbericht?

"Ein ausländer- oder flüchtlingsfeindliches Motiv ist nicht unwahrscheinlich", so Richter. Grund für diese Annahmen seien die "Gesamtumstände". Am Freitag habe eine regionale Tageszeitung über die Flüchtlingsthematik im Landkreis Uelzen berichtet und das betreffende Gebäude als geplante Flüchtlingsunterkunft benannt. Vor Abschluss der Ermittlungen könnten aber auch Vandalismus oder ein technischer Defekt nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Letzteres soll durch Experten vom Landeskriminalamt überprüft werden.

Als Unterkunft für 170 Flüchtlinge gedacht

Unbekannte hatten am Sonntag in dem ehemaligen Supermarkt ein Feuer gelegt, die Wasserhähne aufgedreht und die Abflüsse verstopft. Die Feuerwehr konnte den Schwelbrand im Dachstuhl löschen. Ein Sachverständiger soll nun klären, inwieweit die Dachkonstruktion beschädigt wurde. Der Landkreis Uelzen hatte das Gebäude ab Anfang kommenden Jahres für rund 170 Flüchtlinge nutzen wollen, die derzeit in zwei Turnhallen von Uelzener Schulen untergebracht sind. Für diesen Zweck wurde das Gebäude umgebaut.

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Breiter Aufruf zu Demonstration gegen Rechtsextremismus

Als Reaktion auf den Vorfall hat die Antifaschistische Aktion Lüneburg/Uelzen zu einer Demonstration gegen Rechtsextremismus am 19. Dezember in Bad Bevensen aufgerufen. Der Anschlag sei kein Zufall, sondern die Folge aktueller rassistischer Stimmungsmache, sagte ein Sprecher der Gruppe. Mit der Demonstration solle den Brandstiftern und den rassistischen Verhältnissen entschlossen entgegengetreten und Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet werden. Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller (Grüne) forderte die Bürger zu einer Teilnahme an der Veranstaltung auf. "Dort wollen wir ein deutliches Zeichen setzen", sagte Feller NDR 1 Niedersachsen. "Viele Menschen sind entsetzt und verärgert, dass hier so etwas passieren konnte." Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund und andere Organisationen unterstützen die Demonstration.

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Hallo Niedersachsen | 14.12.2015 | 19:30 Uhr