Stand: 24.02.2016 13:20 Uhr

Der verlorene Sohn - wenige Tage bis zum Wiedersehen

von Marie Elane Schulz

Ein Jahr lang haben sie sich nicht gesehen - nun steht ihr Wiedersehen kurz bevor: Der zehnjährige Mahdi Rabani darf am 7. März zu seiner Familie nach Niedersachsen reisen. Am Flughafen Hannover können ihn seine Eltern endlich wieder in die Arme schließen. Doch der Reihe nach: Wie NDR.de berichtete, war seine Geschichte das Weihnachtswunder im Norden. Familie Rabani in Bad Bodenteich (Landkreis Uelzen) glaubte, sie hätte ihren Sohn auf der Flucht aus Afghanistan verloren. Es schien sicher: Das Kind ist im Mittelmeer ertrunken, als ein Boot mit Flüchtlingen kenterte. Sein Schicksal blieb ungeklärt. Ein Flüchtlingshelfer vom Deutschen Roten Kreuz aber fand nach monatelanger Suche heraus, dass der Junge lebt: in einem Flüchtlingscamp in der Schweiz.

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Langes Warten auf die Familienzusammenführung

Monatelang hat es gedauert, nun steht der Termin fest. Die frohe Botschaft, dass die Schweizer Behörden grünes Licht gegeben haben, überbrachte Maike Karolat vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) der Familie. "Die Eltern und Geschwister saßen rund um den Tisch und haben einfach nur über beide Ohren gestrahlt. Sie können es nun wirklich kaum mehr abwarten, bis Mahdi wieder bei ihnen ist", erzählt sie. Der vermisste Junge hatte sich nach dem Bootsunglück einer anderen afghanischen Familie angeschlossen und war so in die Schweiz gereist. Diese Familie lebt allerdings mittlerweile nicht mehr in dem Flüchtlingscamp. Doch sie hatte es ermöglicht, dass der Junge täglich mit seiner Familie telefonieren konnte. "Das ist nun nicht mehr möglich und ein weiterer Grund, warum Mahdi so schnell wie möglich zu seiner Familie möchte", sagt Karolat.

Eltern, Dolmetscher und Retter an Bord

Das Deutsche Rote Kreuz wird die Eltern mit einem Kleinbus zum Flughafen begleiten. Mit an Bord sein werden ein Dolmetscher und auch Rani Hijazi - ihm ist es zu verdanken, dass der Junge überhaupt gefunden wurde. Der DRK-Flüchtlingsbegleiter hatte wochenlang alle deutschen Flüchtlingsunterkünfte abtelefoniert und den Jungen schließlich in der Schweiz aufgespürt. Auch er freut sich darauf, Mahdi nun endlich persönlich kennenzulernen. "Für mich ist der Kleine inzwischen wie ein Bruder. Ich freue mich sehr für ihn und die Familie, dass sie sich nun wiedersehen und vollzählig zusammen sein werden", sagt er. Wenn Mahdi sich eingelebt hat, soll auch für ihn schnellstmöglich der Alltag in Bad Bodenteich beginnen. Gemeinsam mit seinen vier Geschwistern soll er dann die Schule besuchen. In der Schweiz hat er schon begonnen, Deutsch zu lernen.

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