Stand: 14.12.2016 10:10 Uhr

Wölfe im Damwild-Gehege? Halter rüstet nach

Bild vergrößern
Die traurige Bilanz für einen Damwild-Halter im Landkreis Uelzen: Er hat am Freitag mehr als 20 Tiere verloren.

Nachdem offenbar Wölfe in einem Damwildgehege in Brockhimbergen (Landkreis Uelzen) mehr als 20 Tiere gerissen haben, hat der Halter des Wilds, Landwirt Joachim Strampe, sein Gehege nun nachgerüstet. Bislang schützte ein zwei Meter hoher Zaun die Tiere. Zusätzliche habe er jetzt Strom-Drähte gespannt, so Strampe. Das solle verhindern, dass sich zum Beispiel Wölfe unter dem Zaun durchgraben können. Nach der Attacke setzt Strampe jetzt auch auf nächtliche Rundgänge um sein Gehege. Unterstützung bekomme er dabei auch aus der Bevölkerung und von örtlichen Jägern, sagt er. Allerdings ist noch nicht zweifelsfrei bewiesen, ob es tatsächlich Wölfe waren, die am Wochenende knapp die Hälfte von Strampes Herde gerissen haben. Ergebnisse der DNA-Analyse stehen noch aus.

Zaun erfüllte offenbar Kriterien nicht

Nach ersten Erkenntnissen hatten sich die Angreifer am Freitag unter einem zwei Meter hohen Zaun durchgegraben. Das Wild saß in seinem Gehege somit in der Falle. Der Wolfsberater war bereits vor Ort, um den Schaden aufzunehmen. Er geht nach dem ersten Augenschein von einem Wolfsangriff aus. Darauf deuteten sowohl der Umfang der Attacke als auch der sichergestellte Kot hin. Ob der Besitzer eine Entschädigung vom Land erhält, wird vom niedersächsischen Wolfsbüro in Hannover geprüft und entschieden. Nach der niedersächsischen Wolfsrichtlinie für Gatterwild müssen die Tiere mit einem mindestens 180 Zentimeter hohen Zaun gesichert sein. Zudem muss der Zaun einen sogenannten Untergrabeschutz aufweisen, der Strom führt. Alternativ zum stromführenden Untergrabeschutz schlägt die Richtlinie eine sogenannte Bodenschürze vor, die außen am Zaun verlegt wird, mit diesem aber fest verbunden sein muss. Um die Abwehrkraft des Zaunes zu erhöhen, rät das Umweltministerium gar zu einer Kombination der Vorgaben. Der bisherige Zaun in Brockhimbergen erfüllte lediglich die vorgeschriebene Höhe.

Strampe hätte es besser wissen können

Es sind Voraussetzungen, die Strampe hätte wissen können. Denn der Landwirt ist stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes für landwirtschaftliche Wildhaltung Niedersachsen. Er berät unter anderem Mitglieder des Verbandes in Fragen von Haltung, Fütterung und Zucht. Strampe ist zudem Mitglied im Arbeitskreis Wolf. Ein Gremium, das vom Umweltministerium eingerichtet wurde, in dem neben Nutztierhaltern auch Vertreter von Verbänden und Interessensgruppen, Förster, Jäger und Naturschützer sitzen.

Nähe zum letzten "Tatort"

Die Größenordnung des Vorfalls sei einmalig, sagte Jochen Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes Niedersachsen, dem NDR. 20 Tiere starben bei dem Angriff am Freitag sofort, drei weitere wurden so schwer verletzt, dass sie später erschossen werden mussten. Der Angriff im Landkreis Uelzen ereignete sich nur wenige Tage nach einem ähnlichen Vorfall im Landkreis Lüneburg: Im knapp 40 Kilometer entfernten Südergellersen wurden zwölf Schafe von einem Wolf gerissen und 18 verletzt. Am Donnerstag hatte sich dort Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mit dem geschädigten Herdenbesitzer getroffen. In diesem Jahr hat das Land bislang rund 22.000 Euro Schadenersatz gezahlt.


14.12.2016 10:07 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Textes war die Wolfsrichtlinie des Landes nicht richtig wiedergegeben. Anzuwenden in diesem Fall ist die Wolfsrichtlinie für Gatterwild. Wir haben den Passus entsprechend korrigiert.

 

Chronologie: Der Wolf in Niedersachsen (ab 2015)

Weitere Informationen
mit Audio

Der Wolf in postfaktischen Zeiten

Im Landkreis Uelzen soll es eine Wolfsattacke gegeben haben. Kann man solchen Meldungen in postfaktischen Zeiten noch trauen? Joachim Hagen bittet in seiner Glosse auf ein Wort. mehr

Wölfe: Esel werden als Herdenschützer getestet

Ein wissenschaftliches Projekt im Landkreis Stade untersucht, ob Esel eine Schafherde zuverlässig vor Wolfsangriffen schützen können - und das auf einem uneingezäunten Deich. mehr

mit Video

Noch mehr Schafschutz geht nicht. Oder doch?

Obwohl Gerd Jahnke seine Schafe mit Esel, Hund und einem Zaun geschützt hatte, haben vermutlich Wölfe zwölf seiner Tiere gerissen. Mehr Schutz wäre möglich, sei aber kaum zu leisten. (05.12.2016) mehr

Wolfsrisse: Landvolk zweifelt Minister-Zahlen an

Die Zahl von Wölfen gerissener Schafe sei höher als offiziell angegeben, heißt es beim Kreislandvolk Vechta. Das Land hatte vergangene Woche von einem Rückgang der Wolfsrisse gesprochen. (06.12.2016) mehr

mit Video

Schäferstunde mit dem Umweltminister

Am Donnerstag hat Umweltminister Wenzel den Schäfer Gerd Jahnke in Südergellersen besucht. Jahnke sieht seine Schafe vom Wolf bedroht, der Minister stellte die Zaunfrage. (09.12.2016) mehr

Dossier: Die Wölfe sind zurück

Lange galten sie als ausgestorben, doch inzwischen sind sie zurück in Niedersachsen: die Wölfe. Was viele Umweltschützer begeistert, bereitet Landwirten Sorge. Ein Dossier über die Raubtiere. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.12.2016 | 12:00 Uhr