Stand: 21.01.2016 13:43 Uhr

Er malt sie erst, wenn sie tot sind

von Ina Kast

"Ich habe sie alle in meinem Herzen", sagt Ole Ohlendorff und klopft mit der linken Faust auf seine Brust. Der Maler aus Winsen hat eine Mission: Er will mit seinen Bildern die Begeisterung für Rocklegenden weitergeben. Und er legt erst los, wenn die Porträtierten gestorben sind. "Schließlich geht es mir nicht nur um Musik und Tanz, sondern auch um Vergänglichkeit", sagt der 57-Jährige. Seit 1996 wächst seine Serie "Dead Rock Heads" beständig, mehr als 130 Bilder entstanden. Von Janis Joplin über Frank Zappa bis hin zu Jimi Hendrix - Ohlendorff hat die großen Namen der Rockgeschichte allesamt porträtiert. "Zwischendurch habe ich mich aber auch um die Sternchen gekümmert", erzählt Ohlendorff. Viele der gemalten Musiker seien nicht sehr populär gewesen, sagt er, spielten aber für seinen Werdegang als Musiker eine große Rolle.

Verstorbene Rocklegenden in Öl

Den Tod von Lemmy und Bowie verarbeiten

"Jetzt sind wir wieder bei den ganz großen Namen angekommen, die eine Etage höher gegangen sind", sagt Ohlendorff und zeigt in Richtung Himmel. Dass Lemmy Kilmister (Motörhead) am 28. Dezember 2015 und David Bowie am 10. Januar 2016 gestorben sind, hat jedenfalls einige Aktivität im Hause des Künstlers ausgelöst: "Lemmy ist fast fertig und mit David gehe ich gerade schwanger". Das Bildnis von Lemmy thront bereits in Ohlendorffs Wohnzimmer. Wie alle Bilder der Serie misst es 130 x 80 Zentimeter. Auch David Bowie entsteht gerade in Bleistift auf der Leinwand, die ersten Vorzeichnungen sind bereits gemacht. "Ich will dem Bild eine Seele geben, das ist mir besonders wichtig", sagt der Rock-Maler.

Beim Malen läuft immer Musik

Seit Tagen läuft das neue David-Bowie-Album bei dem Maler rauf und runter. Denn die Musik des jeweiligen Künstlers ist für Ohlendorff der nötige Treibsatz beim Malen: "Das fließt dann einfach über die Hand in den Pinsel und direkt auf die Leinwand." Nun freut er sich auf seine Hommage an David Bowie: Was dieser für die Musikwelt geleistet habe, sei enorm. "Die Fragilität und das Bunte, das wird bei Bowie in den Mittelpunkt des Bildes rücken", kündigt Ohlendorff an. Auch Bowies erst kürzlich erschienenes Album "Black Star"  werde im Fokus stehen. Für seine Recherchen ist der Winsener schon viele ungewöhnliche und weite Wege gegangen, traf sich mit Hinterbliebenen der verstorbenen Rocklegenden und wollte Details über deren Leben erfahren, die er anschließend bei seinen Gemälden verarbeiten konnte. Oft thematisiert er auch die Todesursachen der Stars. So platzierte er beispielsweise auf den Bildern von Ray Charles Drogenbesteck auf der Leinwand und brachte auf dem Porträt von Freddie Mercury eine Aids-Schleife an.

Früher Polizist, heute Maler

Dass Ohlendorff Maler werden würde, war zunächst überhaupt nicht absehbar. Mit 17 Jahren begann er eine Ausbildung bei der Polizei in Hamburg, wo er sechs Jahre im Einsatz war. In dieser Zeit lernte er Udo Lindenberg kennen und tingelte von einer Rockkneipe zur nächsten. Doch das Leben als Polizist erfüllte ihn nicht, der Drang nach Freiheit wollte nicht enden. "Ich merkte irgendwie: Das hier ist nicht mein Platz", erinnert sich Ohlendorff. Er beschloss, den Job an den Nagel zu hängen und machte eine Weltreise. Zurück in Norddeutschland begann er mit seinen ersten Bleistiftzeichnungen. Bis er 1996 mit seiner Serie "Dead Rock Heads" begann, arbeitete er als Kurierfahrer, Werftarbeiter und Koch. Nebenbei erlernte er viele unterschiedliche Maltechniken.

Ein Mann steht zwischen zwei Gemälden. © NDR Fotograf: Ina Kast

"Ich male sie als Hommage an meine Weggefährten"

Ole Ohlendorff ist Maler und Rockmusikfan - was liegt da näher, als Bilder von Rocklegenden zu malen? Mehr als hundert Bilder hat er schon in seiner Sammlung "Dead Rock Heads".

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Metal-Fans verehren Johnny Cash

Bis heute hat Ohlendorff seine Rocklegenden-Serie an vielen Orten ausgestellt. So konnten etwa die Musikfans beim Open Air in Wacken Ohlendorffs Bilder bewundern, dort zeigte er sie sowohl im Fan- als auch im Backstage-Bereich. Hinter der Bühne hat er regelmäßig die Band Motörhead mit dem nun verstorbenen Frontmann Lemmy getroffen. Diese Begegnungen und der Kontakt mit den Festival-Besuchern haben dem Maler viel bedeutet. Manchmal sorgten sie auch für Verwunderung: "Ich war überrascht, dass die jungen Leute vor allem vor dem Bild von Johnny Cash auf die Knie gingen." Er habe eher erwartet, dass das junge Publikum die Porträts von Metal-Musikern favorisieren würde. Ohlendorff selbst ist Johnny Cash ebenfalls eng verbunden. "Wir haben beide am 26. Februar Geburtstag", sagt der Maler. "Allerdings wurde Cash 26 Jahre vor mir geboren." Zum konkreten Preis seiner Gemälde will sich Ohlendorff nicht äußern. Er weist allerdings darauf hin, dass er auch für all jene, die nur wenig Geld zur Verfügung haben, etwas bieten kann. Kopien seiner Original-Gemälde hat er als Fine Art Prints im Angebot, demnächst auch über eine neu gemachte Homepage . "Die wird so richtig rocken", freut sich der 57-Jährige.

Liste aller porträtierten Musiker auf Website

Wer die Bilder von Ole Ohlendorff sehen will, kann auf seiner Website einige Bilder und aktuelle Ausstellungstermine sehen. Dort befindet sich auch eine Liste aller bisher gemalten Musiker.