Stand: 09.05.2017 15:52 Uhr

Warum steht neues Parkhaus in Winsen fast leer?

Es ist 16 Uhr, an einem Wochentag. Im neuen Parkhaus am Bahnhof in Winsen an der Luhe ist die untere Etage zu zwei Dritteln mit Autos belegt, die drei oberen Etagen stehen leer. Zwei Monate nach Eröffnung der Anlage zählt die Stadt etwa 100 Dauernutzer bei 540 Stellplätzen. Eine ernüchternde Bilanz angesichts der vielen Pendler aus dem Landkreis Harburg, die täglich mit dem Zug nach Hamburg und zurück fahren. Ähnlich sieht es bei den Fahrradplätzen aus.

Gähnende Leere im neuen Parkhaus Winsen

Jahresgebühren in der Kritik

Vielen sind die Gebühren - 30 Euro im Monat, 290 im Jahr - schlichtweg zu hoch. Sie nutzen weiter die kostenlosen Stellplätze an der Stadthalle und rund um den Bahnhof. Der Stadtrat hatte zunächst einen Jahrespreis von 120 Euro diskutiert, aus Angst vor Verlusten jedoch letztlich die 290 Euro beschlossen. Das hat sich geändert: "Wir können ja nicht sehenden Auges in eine Situation laufen, in der am Ende große Querfinanzierungen und Subventionierungen notwendig sind", sagte SPD-Fraktionsvize Brigitte Netz von der Stadtratsopposition zu NDR Info. Deshalb stelle sich inzwischen die Frage, ob niedrigere Preise die Attraktivität des Parkhauses steigern würden. Außerdem könnte man ihrer Ansicht nach darüber nachdenken, Gebühren auf die bislang kostenlosen Parkplätze zu erheben.

Bürgermeister rät zu Geduld

Winsens Bürgermeister André Wiese (CDU) will indes erst einmal abwarten. Nach dreieinhalb Jahren Bauzeit, in denen sich die Pendler andere Stellplätze suchen mussten, würden sie ihre Gewohnheiten nicht sofort umstellen. "Dieses Parkhaus bietet Qualität und Komfort", so Wiese, "das wird sich aus meiner Sicht durchsetzen." Die Preise seien im Vergleich mit anderen Bahnhofsparkhäusern nicht zu hoch. In Buchholz und Harburg zahlen Pendler demnach weniger, in Lüneburg aber mit 420 Euro Jahresgebühr wesentlich mehr. Und dort sei die Anlage zu 90 Prozent ausgelastet, argumentiert der Bürgermeister.

Kampf um Wechsel in günstigere HVV-Zone

Ein weiteres Problem, das aus Sicht aller Fraktionen angegangen werden muss, ist die aktuelle Tarifzone des Hamburger Verkehrsverbunds, kurz HVV. Weil Pendler von den benachbarten Bahnhöfen Ashausen und Stelle aus weniger für ihre Tickets zahlen, fahren sie von dort aus in die Metropole. Winsen versucht deshalb seit Jahren, in dieselbe Tarifzone aufgenommen zu werden. Gelingt das, so die Hoffnung vieler Politiker, würden mehr Pendler von Winsen aus starten - und dann das Parkhaus nutzen.

Längere Bauzeit, Kosten fast verdoppelt

Die Stadt als Eigentümer und die Stadtwerke als Betreiber können die Einnahmen gut gebrauchen. Denn sie müssen nicht nur die neun Monate längere Bauzeit erklären, sondern auch immense Zusatzkosten rechtfertigen. Statt der ursprünglich für das Projekt veranschlagten sechs Millionen Euro stehen unter dem Strich inzwischen knapp elf Millionen Euro. Rund vier Millionen davon sind Zuschüsse von Landesnahverkehrsgesellschaft und Metropolregion.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 10.05.2017 | 09:00 Uhr

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