Stand: 29.01.2016 15:45 Uhr

Syrer als Gefahr für Kinder? Empörung über Kita

Es sollte ein ganz praktischer Schritt zur Integration werden. Die Leiterin einer evangelischen Kindertagesstätte in Bleckede (Landkreis Lüneburg) wollte einen syrischen Flüchtling befristet als sogenannte Ein-Euro-Kraft einstellen. Mit der Betreuung der Kinder hätte er nichts zu tun gehabt. Dennoch reagierten mehrere Eltern offenbar mit Sorge und äußerten Ängste um ihre Kinder. Daraufhin entschied sich die Kita-Leitung um und teilte in einem Aushang mit, dass "aufgrund der nachvollziehbaren Sorge einiger Eltern, einen männlichen Syrer bei uns zu beschäftigen", der Mann doch nicht eingestellt werde. Dieser Aushang sorgt nun für eine hitzige Debatte in Sozialen Netzwerken.

Echt oder Fälschung?

Eltern hatten den Aushang fotografiert und ins Netz gestellt, seitdem ist das Foto mehrere Hundert Mal geteilt worden. Die Reaktionen sind unterschiedlich: Die einen befürworten den Schritt der Kita und nutzen den Fall für teils rassistische Kommentare. Viele aber äußern sich empört über den Aushang. "Es gibt eine Reihe von Nachfragen aufgrund der Veröffentlichung", sagte ein Sprecher der hannoverschen Landeskirche. Unter anderem, ergänzte Diakonie-Sprecher Sven Quittkat, sei gefragt worden, ob das bei Facebook gezeigte Bild tatsächlich "echt" sei oder gefälscht wie der Bericht über einen verstorbenen Flüchtling in Berlin.

Kirche: Aushang war "eigenmächtig, unüberlegt, ohne Absprache"

Vonseiten der Kirche kommt ebenfalls scharfe Kritik am Verhalten der evangelischen Einrichtung. Der Aushang sei nicht zu tolerieren, sagte Christian Cordes, Superintendent in Bleckede. Der Kirchenkreis Bleckede, die Landeskirche und die Diakonie distanzieren sich in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Die sehr unglückliche Formulierung könnte unterstellen, es bestehe bei männlichen Zuflucht Suchenden generell Anlass zu Sorge vor Übergriffigkeiten", heißt es darin. Dies sei nicht die Haltung der Kirche. "Die Kita-Leitung hat mit dem Aushang eigenmächtig, unüberlegt und ohne Absprache gehandelt. Sie hat die Folgen ihres Handelns nicht überblickt", heißt es weiter. Man bedauere den Vorfall. Dieser werde zudem "von den Verantwortlichen in der nächsten Woche geprüft", sagte Quittkat.

Flüchtling hätte Job sowieso nicht machen dürfen

"Wir wollen keine Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen", betonte auch Cordes. Dabei habe die Kita-Leiterin es eigentlich gut gemeint. Mit dem Aushang habe sie auf teils heftige Vorbehalte der Eltern reagieren wollen, erklärte der Superintendent. Sie habe sich bereits persönlich bei dem Flüchtling entschuldigt. Die Aufregung einiger Eltern war derweil vollkommen unnötig: Der Syrer hätte ohnehin nicht in der Kita arbeiten dürfen. Dazu wäre ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis notwendig gewesen. Dies könne der Mann aufgrund seines Flüchtlingsstatus aber nicht bekommen, so Diakonie-Sprecher Quittkat: "Das schafft im Moment generell Probleme, diese Menschen in Schulen oder Kitas zu beschäftigen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 29.01.2016 | 16:00 Uhr