Stand: 06.02.2016 17:46 Uhr

Stück für Stück verschwindet das Abrisshaus

Es ist endgültig vorbei mit einem Wohn- und Geschäftshaus in Lüneburg. Das denkmalgeschützte Gebäude in der Egersdorffstraße wird sei Sonnabend abgerissen. Etwa eine Woche sollen die Arbeiten dauern, wie eine Sprecherin der Stadt mitteilte. Der Abriss müsse behutsam erfolgen, um Nachbarbauten nicht zu gefährden. Schwere Maschinen würden das Gebäude ohnehin sofort zum Einsturz bringen. Nur vorsichtig und Stück für Stück geht der Rückbau voran. Das Fachwerkhaus ist vollkommen marode: Der Boden ist aufgeweicht, tragende Wände hängen in der Luft. In den vergangenen Wochen hatte sich das ohnehin schräge Haus noch weiter geneigt.

Der Abriss des Biedermeier-Hauses hat begonnen

"Dieses Haus ist ein Extremfall"

Anfang Januar, als auch in Lüneburg viel Schnee fiel, hatte man sich beeilt, das Biedermeier-Haus abzusichern. "Wir haben das Haus entlastet, indem wir Unterdecken und Dämmung aus dem Gebäude entfernt haben", erklärte der zuständige Statiker Herbert Böller NDR.de. "Im Mauerwerk treten unterdessen täglich neue Risse auf", sagte Böller nach der Sicherung im Januar. Das Gebäude werde daher ständig von Statikern untersucht. Der Bauingenieur hat Erfahrung mit alten Häusern, er kennt sich außerdem aus mit dem Lüneburger Senkungsgebiet. Dass ein Haus aber derart schnell verfällt, das war auch für den 75-Jährigen neu: "Dieses Haus ist ein Extremfall."

Eigentlich wollten Eigentümer das Haus sanieren

Bis vor Kurzem hatte Böller gehofft, das Baudenkmal aus dem Jahr 1835 retten zu können. Gemeinsam mit den Eigentümern, die das Haus erst vor wenigen Wochen erworben hatten, war ein umfangreiches Sanierungskonzept entwickelt worden. "Wir waren schon mitten in den Sanierungsarbeiten", erzählt Jörg Rebstock, einer der Hausbesitzer. Doch bei den Arbeiten im Keller wurde das ganze Ausmaß des Verfalls sichtbar. Unterirdische Wasserquellen hatten das Fundament unterspült und dazu geführt, dass das Gemäuer feucht wurde und das Holz verrottete. "Hauptproblem ist der weiche breiige Boden", sagt Böller. Gemeinsam mit den geodynamischen Prozessen im Senkungsgebiet sei der Boden dafür verantwortlich, dass das Gebäude immer weiter absackte.   

Haus war noch vor einigen Wochen bewohnt

Dass noch Anfang Dezember Menschen in dem maroden Baudenkmal gewohnt und gearbeitet haben - mittlerweile unvorstellbar. "Jeder Laie kann jetzt auf einen Blick sehen, dass hier nichts mehr zu retten ist", sagt Rebstock. Er hat noch keine Ideen, was aus dem Grundstück werden soll: "Wir hatten den Kopf voller Pläne für die Sanierung und müssen jetzt komplett umdenken." Ob und wie auf dem ungewöhnlichen Untergrund künftig ein neues Bauvorhaben realisiert werden kann, darüber wird sich auch Statiker Böller erst Gedanken machen, wenn der komplizierte Abriss geglückt ist.

Zwei Männer begutachten eine Wand. © NDR Fotograf: Ann-Kristin Mennen

Statiker warnt vor Haus-Einsturz

Um 60 Zentimeter hat sich in Lüneburg ein altes Fachwerkhaus zur Straße hin geneigt. Eigentlich hätte das Gebäude sogar bereits einstürzen müssen, sagt Statiker Herbert Böller.

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