Stand: 14.01.2016 20:55 Uhr

Sound aus Lüneburg beeindruckt Hollywood

von Ann-Kristin Mennen

Ganz langsam zieht Daniel Orthey den Bogen der Geige an der Percussion entlang, das metallische Geräusch ist ohrenbetäubend. Archaisch soll es klingen, spannungsgeladen - und düster. So sind die Vorgaben des Auftraggebers. Als im Sommer vergangenen Jahres eine Agentur den Leiter des Frantic Percussion Ensembles anfragt, ob die Schlagwerker aus Lüneburg die Musik zu einem Film produzieren könnten, weiß er noch nicht, um welchen Streifen es sich handelt. Filmmusik - das ist für das Ensemble ohnehin Neuland. Umso größer ist die Überraschung, als die Musiker kurz vor der Produktion im Tonstudio erfahren, dass sie Szenen aus "The Revenant - Der Rückkehrer" mit Leonardo DiCaprio vertonen sollen. "Das ist natürlich etwas ganz Besonderes, die Musik des Komponisten Ryuichi Sakamoto einzutrommeln", schwärmt Orthey.

Spiele lieber ungewöhnlich

Handgemacht - mit 30 Instrumenten

Der oscarprämierte Komponist aus Tokio entdeckt die Musiker bei Youtube. Er bestellt über das Internet eine CD und ist anscheinend angetan von der Experimentierfreude und den sphärischen Klängen der Lüneburger Musiker. "Bei so anspruchsvollen Produktionen geht es vor allem darum, dass die Sounds nicht aus dem Computer kommen, sondern handgemacht sind", meint Daniel Orthey. Und handgemacht - das ist die Stärke des Frantic Percussion Ensembles. Mit rund 30 Instrumenten und vielen verrückten Ideen machen sich die Trommler auf ins Tonstudio.

"Wir haben einfach experimentiert"

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02:03 min

Trommeln, wenn es brenzlig wird

Wenn das Lüneburger Frantic Percussion Ensemble Musik macht, werden auch Stricknadeln zum Instrument. Schlagwerker Daniel Orthey verrät, worauf es beim Film "The Revenant" ankam. Video (02:03 min)

Kampf- und Actionszenen sollen sie bei "The Revenant" vertonen. "Anfangs gab es wenig Anweisungen und wir haben einfach experimentiert", erzählt Orthey. Die einzelnen Takes werden schließlich zwischen Hamburg und New York hin und her geschickt. Welche Szenen im Film bleiben, das wissen die Musiker bis zuletzt nicht. "Als wir die letzte Session getrommelt haben, war 'The Revenant' noch drei Stunden lang - das war kurz vor dem Abschluss der Produktion. Das heißt, da musste noch eine halbe Stunde weggekürzt werden", erzählt Daniel Orthey.

Lüneburger bespielen Schlüsselszenen

Umso gespannter ist das Ensemble beim ersten Kinobesuch. Zur Freude der Musiker ertönen ihre Sounds unter anderem in einer der entscheidenden Schlüsselszenen. "Den Schlusskampf zwischen den zwei Hauptfiguren - den haben wir komplett bespielt", sagt Orthey. Eine Leistung, auf die der 37-jährige Musiker stolz ist. Und dennoch: Seine Zukunft sieht der Schlagwerker nicht in Hollywood. "Wir kommen von der Bühne und da bleiben wir auch."

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