Stand: 08.09.2017 14:36 Uhr

Selbstanzeige: Bürgermeister entfernt AfD-Plakat

Dieses Plakat ging dem Vereinsvorsitzenden Senking zu weit. Sportsfreunde fühlten sich durch den AfD-Slogan diskriminiert.

Es ist Wahlkampf im Land - und die Werbung der Parteien und ihrer Kandidaten steht auf Grünstreifen oder hängt an Laternenpfählen. Dort mal höher, mal weniger hoch, mal gut sichtbar, an anderer Stelle bereits beschmiert. Dass die gedruckten Slogans der Parteien nicht jedem gefallen, das ist klar. Und auch gutes Recht. Einen forschen Schritt hat Heiko Senking gewählt: Der Bürgermeister von Ebstorf (Landkreis Uelzen) und Vereinsvorsitzende des ortsansässigen TuS hat kurzerhand ein Plakat der AfD vor dem Vereinsheim entfernt. "Neue Deutsche? Machen wir selber", so der Titel. Der Grund für Senkings Tat? Den formuliert er selbst - direkt in einem Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook, samt Beweisfoto.

Senking zeigt sich selbst an

"Der TuS Ebstorf besteht wie alle Sportvereine Deutschlands zu einem großen Teil aus Menschen mit Migrationshintergrund, verschiedener Religionen, sind schwul oder lesbisch und was auch sonst immer", schreibt Senking. Durch den AfD-Wahlspruch würden sich Mitglieder diskriminiert fühlen, so der von der UWG gestellte Gemeinde-Bürgermeister. Er wisse, dass es nicht demokratisch gewesen sei, was er getan habe. Und so ging Senking noch einen Schritt weiter: Er habe sich bereits selbst angezeigt. Dass er als Bürgermeister in Ebstorf auch eine Vorbildfunktion habe und gerade deshalb andere Meinungen zulassen müsse, sei für die Aktion unerheblich, erklärte er. "Ich habe hier allein als erster Vorsitzender gehandelt."

Lebhafte Diskussion im Netz

"Respekt", "eine tolle Geste", "eine alberne Aktion", "undemokratisch": Senkings Bild und Stellungnahme bei Facebook löste zehntausende Reaktionen aus. Am frühen Freitagnachmittag wurde der Beitrag bereits rund 140.000-mal positiv und gut 600-mal negativ bewertet. Unter dem Text: mehr als 14.000 Kommentare. Mehr als 22.000 Nutzer teilten ihn auf ihrem eigenen Profil.

AfD behält sich rechtliche Schritte vor

Auf Nachfrage des NDR reagierte Armin Paul Hampel, Vorsitzender der Niedersachsen-AfD. Er riet Senking, das Plakat wieder zurück an seinen Platz zu hängen. Gerade ein Bürgermeister habe nicht die Freiheit, zu entscheiden, wo ein Wahlplakat aufgehängt werde. Rechtliche Schritte behalte man sich vor.

Weitere Informationen
09:05

Neue Umfrage zur Landtagswahl im Oktober

07.09.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Wäre am Sonntag Landtagswahl in Niedersachsen, würde die CDU an Zustimmung verlieren, AfD und Die Linke wären im Parlament. Einschätzungen von Thorsten Hapke. Video (09:05 min)

mit Audio

"Glotzende" Wahlplakate sind irgendwie out

Überall starrende Gesichter: Stephan Fritzsche fühlt sich von den Plakaten vor der Bundestagswahl so gar nicht angesprochen. Höchste Zeit für eine Kehrt- oder Klebewende! (23.08.2017) mehr

Wahlwerbung an KZ-Gedenkstätte: Muss das sein?

Je näher die Wahlen rücken, desto dichter wird der Teppich aus Parteiplakaten überall im Land. Auch an der KZ-Gedenkstätte Esterwegen? Die Gemeinde würde das gerne verhindern. (16.08.2017) mehr

mit Video

AfD Niedersachsen reicht Landesliste ein

Die AfD Niedersachsen hat ihre Landesliste zur Bundestagswahl eingereicht. Unklar bleibt, ob die Partei nach der Affäre um gefälschte Briefe ihre Listenplätze neu vergibt. (20.06.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 08.09.2017 | 16:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

00:59

Ein besonderes Gedicht zum dritten Advent

17.12.2017 08:00 Uhr
NDR 1 Niedersachsen