Stand: 15.06.2017 10:15 Uhr

Schäfer Rebre: Der mit dem Wolf lebt

von Ulrike Kressel

In Niedersachsen leben mittlerweile etwa 100 Wölfe. Einige Schäfer sind darüber nicht glücklich - sie fordern den gezielten Abschuss einzelner Tiere. Unterstützung erhalten die Tierhalter aus der Politik. Wie jüngst von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der angekündigt hatte, den Bestand auf ein "vernünftiges Maß" begrenzen zu wollen. Ganz anders sieht das Schäfer Thomas Rebre aus Amelinghausen (Landkreis Lüneburg). Er ist überzeugt, dass ein Miteinander von Wölfen und Schafen funktionieren kann.

Schäfer Rebre hat keine Angst vorm bösen Wolf

Der Wolf gehört jetzt dazu

Seit 25 Jahren ist Rebre Schäfer. Aus Überzeugung und Leidenschaft, wie er sagt. Zu seiner Herde gehören mehr als 600 Heidschnucken und Ziegen. Er betreibt Landschaftspflege und sorgt dafür, dass die Heide als Kulturlandschaft erhalten bleibt. In drei Landkreisen ist Rebre mit seinen Tieren unterwegs, inmitten von Wolfsgebieten. Im Unterschied zu vielen anderen stellt er das Existenzrecht der Wölfe nicht in Frage. "Wir akzeptieren das als Normalität. Der Wolf ist jetzt da, fühlt sich hier wohl und wir stellen uns darauf ein", sagt er. Rebre versucht mit dem Wolf zu leben - im Guten, wie er betont. Offenbar mit Erfolg. Seit gut fünf Jahren sind die Wölfe in Niedersachsen wieder heimisch. Rebre hat noch nicht eine Ziege, nicht eine Schnucke an den Wolf verloren.

Bereit, mehr Arbeit zu leisten

Dennoch sieht er im Wolf eine potenzielle Gefahr für seine Tiere. Schon öfter hätten Wölfe versucht, zu seinen Herden zu gelangen. Zum Beispiel, indem sie unter dem Zaun durchkommen wollten. "Wir haben Grabespuren an den Netzen gefunden, über einen halben Meter breit", sagt er. Der Schäfer ist überzeugt, dass der Strom auf den Netzen den Wolf zum Aufgeben gezwungen hat. Die Rückkehr der Wölfe bedeutet für ihn ein Mehr an Arbeit. Seine 90 Zentimeter hohen Elektronetzzäune hat er um 16 Zentimeter erhöht, damit bei Senken im Boden der Zaun auch an diesen Stellen die empfohlene Mindesthöhe erreicht. Rebre achtet darauf, dass der Zaun immer straff gespannt ist. Zusätzlich hat er die Stromspannung erhöht.

Fehler der Menschen machen Wölfe schlau

Videos
03:01 min

Mahnfeuer gegen den Wolf

12.05.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Die Angst vor dem Wolf wächst vor allem in ländlichen Gebieten. Doch viele Weidetierhalter fühlen sich nicht ernst genommen. Mit Mahnfeuern machen sie auf ihre Sorgen aufmerksam. Video (03:01 min)

Für ihn als Berufsschäfer ist es besonders wichtig, dass alle Tierhalter den Herdenschutz ernst nehmen, sagt er. Das gelte auch für die kleinen Betriebe in der Hobbyhaltung. Zu oft  treffe er auf Schafe, die völlig ungeschützt  den Wölfen ausgeliefert sind. Das ärgert ihn. "Die Unvernunft der Tierhalter und deren Fehler tragen dazu bei, dass Wölfe lernen, leichte Beute zu machen", sagt er. "Blutrünstige Fotos am nächsten Tag in der Presse sorgen dann für aufgebrachte Stimmung gegen den Wolf."

Ende der Weidewirtschaft? "Quatsch"

Auch wenn der Schäfer bislang von Schäden durch den Wolf verschont geblieben ist, schließt er nicht aus, dass es auch ihn irgendwann treffen könnte. Beispielsweise dann, wenn Wölfe gelernt haben Zäune zu überspringen. Er weiß, dass auch er dann um jedes gerissene Tier trauern werde. Deshalb jedoch das Ende der Weidewirtschaft zu beklagen, kommt für ihn nicht in Frage. "Das ist Stimmungsmache und völliger Quatsch", sagt er. "Herdenschutz ist möglich und muss notfalls immer wieder angepasst werden. Dann ist das eben eine Zusatzaufgabe, wie jede neue EU-Verordnung auch". Die Tierhalter hätten die Pflicht dafür zu sorgen, dass es ihren Tieren gut gehe.

Geld vom Land

Finanzielle Unterstützung  vom Land Niedersachsen gebe es noch dazu. "Welcher Handwerkszweig bekommt Zuschüsse für Gefahren, die plötzlich aufgetaucht sind?", fragt er. Auch die andauernde Kritik am Wolfsmanagement  kann er nicht verstehen. Rebre ist zufrieden mit den Möglichkeiten der Unterstützung. "Die Ursachen der wirtschaftlichen Not und der enormen Arbeitsbelastung der Schäfer sind woanders zu suchen", sagt er. Der Wolf habe damit nichts zu tun.

Weitere Informationen
mit Video

Weil erwägt "Begrenzung" des Wolfsbestands

Wie soll man mit den rund 100 Wölfen in Niedersachsen umgehen? Ministerpräsident Weil will ihre Zahl auf ein "vernünftiges Maß begrenzen". Klingt gut. Aber was ist "vernünftig"? (11.06.2017) mehr

Wo tote Wölfe Arbeitsalltag sind

Alle Wölfe, die in Deutschland sterben, landen auf dem Seziertisch von Pathologin Claudia Szentiks. Die meisten sterben im Verkehr, aber auch illegale Tötungen sind nicht selten. (25.05.2017) mehr

Zahl der Wölfe in Niedersachsen dreistellig

In Niedersachsen sind der Landesjägerschaft zufolge inzwischen mehr als 100 Wölfe unterwegs. Die meisten Rudel leben im Nordosten, jüngst wurden auch Tiere im Süden gesichtet. (03.05.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 13.06.2017 | 15:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

10:29 min

Aufräumarbeiten: Unwetter hinterlässt Verwüstung

23.06.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
00:49 min

Steuerhinterziehungsvorwürfe gegen Jörg Bode

23.06.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
01:59 min

Krabbenbrötchen wird zur Luxus-Delikatesse

23.06.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen