Stand: 21.06.2015 14:22 Uhr

Proteste gegen rechtsextreme Sonnenwendfeier

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Seit 2007 demonstrieren die Anwohner in Eschede (Landkreis Celle) jährlich gegen das Treffen der Rechtsextremen. (Archivbild)

Der längste Tag, die kürzeste Nacht: Dieses Wochenende findet die Sommersonnenwende statt. Dass dieser Tag in Deutschland selten groß gefeiert wird, anders als vielerorts auf der Nordhalbkugel, hat seinen Grund. Die Nationalsozialisten wollten die angeblich altgermanische Sonnenwendfeier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs wiederbeleben. Der Feiertag wurde vor allem seitens der Schutzstaffel der NSDAP, der SS, mit der Symbolik von "Volk, Blut und Boden" aufgeladen. Auf dem Hof des NPD-Mitglieds Joachim Nahtz in Eschede (Landkreis Celle) treffen sich noch heute jedes Jahr Neonazis zur Sonnenwendfeier - so auch diesen Sonnabend. Doch nicht ohne Protest: Rund 100 Anwohner machten mobil und gingen gegen das Treffen der Rechtsextremen auf die Straße.

DGB: Übergriffe auf Flüchtlinge

Die Demonstration verlief nach Polizeiangaben friedlich. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus hatten zu dem Protestzug mit einer anschließenden Kundgebung unter dem Titel "Menschenrechte, universell und unteilbar" aufgerufen. An dem Marsch durch die Innenstadt beteiligten sich auch Bewohner des Escheder Flüchtlingsheims. Auf die Flüchtlinge hatte es dem DGB zufolge jüngst einige Übergriffe gegeben. Laut DGB "ein Grund mehr, wachsam zu sein und den Rechten deutlich zu machen, dass wir ihr Denken und Tun nicht tolerieren."

70 Rechtsextreme auf Hof Nahtz

Zu dem rechtsextremen Treffen sind nach Polizeiangaben etwa 70 Menschen aus ganz Norddeutschland erschienen. Sie wollten auch ein Lagerfeuer abbrennen, das aber zu groß geraten war und vom Ordnungsamt überprüft werden musste. Im vergangenen August war es auf dem Hof zu einem Brand gekommen. Helfer aus der rechten Szene hätten die Schäden jedoch beseitigt, sagte ein Sprecher des Netzwerks Südheide gegen Rechtsextremismus. So habe Nahtz die Sonnenwendfeiern fortführen können.

Nahtz besucht Gröning-Prozess

Schon seit mehr als 20 Jahren versammeln sich Neonazis zu den Sonnenwendfeiern auf dem Hof Nahtz. Als Brauchtumsfeiern getarnt, dienten die Treffen der norddeutschen Nazi-Szene als Zusammenkünfte, die die Gemeinschaft fördern sollen, so Gewerkschaftssekretärin Miriam Seedorf. Ihrer Aussage nach war der NPD-Mann Joachim Nahtz in Begleitung bekannter Holocaust-Leugner auch beim Auftakt des Auschwitz-Prozesses gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning Mitte April ins Landgericht Lüneburg gekommen.

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