Stand: 12.01.2017 19:44 Uhr

Protest und Dialog: Wie geht's weiter mit "Alpha-E"?

von Lars Gröning

"Wir wollen keine zusätzlichen Gleise in unseren Orten", sagt Michael Hansen von der Bürgerinitiative Deutsch Evern 21. Mit rund 80 Mitstreitern hat er am Donnerstagmittag in der Lüneburger Innenstadt demonstriert. Die Teilnehmer sind allesamt Anwohner der Bahnstrecke Lüneburg-Uelzen und wollen nicht, dass der Streckenabschnitt hier um ein drittes Gleis erweitert wird. Das dritte Gleis soll kommen, um in Zukunft mehr Güter aus den Seehäfen auf die Schiene zu bringen. Doch die Anwohner haben Angst vor Lärm. Denn die Anzahl der Güterzüge, die pro Tag auf der Strecke unterwegs seien würden, könnte sich verdoppeln - auf 400.

Massiver Protest in Stadt und Landkreis

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Bei einer Veranstaltung der Bahn in Lüneburg haben die Gegner der "Alpha-E-Variante" ihrem Unmut Luft gemacht.

Auch bei Stadt und Landkreis Lüneburg regt sich massiver Protest gegen den sogenannten Alpha-E-Ausbau. Dabei werden die Pläne langsam konkreter. Ebenfalls am Donnerstag hat die Bahn in der Lüneburger Ritterakademie den aktuellen Stand des Projektes vor. Mit dabei: 150 Vertreter von Bürgerinitiativen und Kommunen aus Nordostniedersachsen. Denn neben der Bahnstrecke Hamburg-Hannover sind auch Linien im Raum Bremen und Rotenburg vom Ausbau betroffen. An runden Tischen soll in den kommenden Monaten gemeinsam beraten werden, wie der Streckenausbau umgesetzt werden kann. "Wir haben noch keine festen Pläne in der Schublade", versicherte Matthias Hudaff, Projektleiter der Bahn. Weiter versprach er Transparenz und die Einbindung von Anwohnern.

Ergebnis des Forums nicht anerkannt

Im sogenannten Dialogforum Schiene Nord in Celle, in dem das Alpha-E-Konzept erdacht wurde, sei dies zuvor nicht der Fall gewesen, sagt unter anderem Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD). Die Kritik der Stadt und verschiedener Bürgerinitiativen entlang der Strecke Hamburg-Hannover sei ignoriert worden, weil sie erst geäußert wurde, nachdem das Dialogforum schon gestartet war. Die Gegner des Ausbaus der bestehenden Strecke zwischen Lüneburg und Uelzen akzeptieren den Ausgang des Dialogforums deshalb nicht. 

Eine Güterverkehrsstrecke neben der A 7

Lüneburgs Oberbürgermeister Mädge, Landrat Manfred Nahrstedt (SPD) und die Bürgermeister der Orte entlang der Schienen zwischen Lüneburg und Uelzen fordern eine Güterverkehrsstrecke, die parallel zur Autobahn 7 verläuft. Eine klare Absage dazu kam nun allerdings erneut vom niedersächsischen Verkehrsministerium. Dort hält man es für ausgeschlossen, dass die Güterverkehrsstrecke entlang der A 7 bis zum Jahr 2030 ins Gespräch kommt. Denn bis dahin gelte der aktuelle Bundesverkehrswegeplan. Und der sehe nun einmal das Alpha-E-Konzept vor.

"Dann können wir die Stadt abreißen"

Mädge, Nahrstedt und ihre Mitstreiter wollen dennoch nicht locker lassen - genau wie die Bürgerinitiativen. Sie fordern ein Raumordnungsverfahren, das die Autobahnlösung berücksichtigt. Geschieht dies nicht, erwägt die Stadt Lüneburg, gegen das Land zu klagen, wenn auch nur als letztes Mittel. "Wenn sich die Anzahl der Güterzüge verdoppelt, dann können wir die Stadt abreißen", so Mädge.

Karte: Die Alpha-Variante

ICE-Haltestellen sollen Bestand haben

Wird die Gleisverbindung zwischen Hamburg und Hannover zugunsten des Güterverkehrs ausgebaut, leidet auch der Personenverkehr, befürchtet Lüneburgs Rathauschef. ICEs würden nicht mehr in Lüneburg und Uelzen halten. Dem allerdings widersprach allerdings Bahnplaner Hudaff. An den ICE-Haltestellen wolle die Bahn nicht rütteln.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 12.01.2017 | 15:30 Uhr