Stand: 12.03.2016 14:01 Uhr

Nachfrage für Arabisch-Kurse steigt

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Arabisch zu lernen ist angesichts einer komplett anderen Schrift gar nicht so einfach. (Themenbild)

Die arabische Sprache zu erlernen ist gar nicht so einfach: Geschrieben wird von rechts nach links, die Schriftzeichen haben mit dem Abc nichts gemein und auch die hart klingenden Konsonanten wirken zunächst fremd. Gleichwohl machen sich immer mehr Menschen in Niedersachsen daran, arabisch zu lernen. Seit dem vermehrten Zuzug von Flüchtlingen verzeichnen die Volkshochschulen (VHS) in Niedersachsen ein stark wachsendes Interesse. "Die Nachfrage ist deutlich gestiegen", sagt Jennifer Louise Feneck von der VHS Oldenburg. "Wir hatten in diesem Semester einen Anfängerkurs geplant. Jetzt sind es drei und wir haben Wartelisten." Vielerorts schaffen es die Bildungsträger gar nicht, genügend Angebote bereitzustellen. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich die Suche nach geeigneten Arabisch-Dozenten zum Teil schwierig gestaltet.

Immer mehr Menschen wollen Arabisch lernen

Kurse sind weitgehend ausgebucht

Viele der Menschen, die nun arabisch lernen, engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. In Wolfsburg trifft das laut Susann Köhler von der VHS für jeden zweiten Kursteilnehmer zu. Andere pauken arabisch, weil sie beruflich mit Asylbewerbern zu tun haben - etwa im Job-Center oder im Sozialdienst. Zudem drücken Lehrkräfte und Sozialpädagogen laut Arabischdozentin Faten Ghazal aus Hannover die Schulbank. Von einem sprunghaft angestiegenen Interesse spricht auch Dagmar Wenzel von der VHS in Braunschweig. Dies gelte sowohl für die Anfängerkurse als auch für die weiterführenden Kurse. An der VHS in Lüneburg hat sich die Zahl der Interessenten vervierfacht.

Eine Kursteilnehmerin hatte Schlüsselerlebnis im Job

Allein die ungewohnte Schrift zu erlernen, ist eine große Herausforderung für die Schüler, sagt Ahlem Zoubeidi, Kursleiterin in Lüneburg. Doch das Engagement ihrer Schüler sei groß, "sie sind motiviert und ziemlich schnell", lobt Zoubeidi. Eine der Teilnehmerinnen ist Ulrike Meinheit: "Ich bin Apothekerin und hatte vor einigen Wochen ein Schlüsselerlebnis mit einem arabisch sprechenden Kunden, dem ich nicht helfen konnte." Daraufhin habe sie beschlossen, "die Initiative zu ergreifen, weil es ja sicher in naher und ferner Zukunft häufiger solche Probleme geben könnte".

Sprache zu lernen, ist Zeichen des Respekts

"Eine Sprache zu lernen, signalisiert dem Gegenüber auch immer: 'Ich nehme dich ernst, ich will auch deine Welt und deine Weltsicht verstehen können'", sagt Martina Müller, die an der VHS Lüneburg den Bereich Sprachen leitet. Doch nicht jeder, der arabisch lernen will, bekommt auch gleich einen Platz in einem Kurs. Besonders schwierig ist es, passende Dozenten zu finden. Denn zum einen müssten sie pädagogisch ausgebildet sein und entsprechende Erfahrungen in der Lehrtätigkeit haben, sagt Köhler von der VHS in Wolfsburg. "Zum anderen müssen sie Deutsch sprechen, um die Sprache zu vermitteln."

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