Stand: 18.02.2016 16:18 Uhr

Milchpreis: "Wir geben unser Produkt einfach weg"

von Andreas Rabe
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Landwirt Ritters hofft, dass sich durch Erzeuger-Gemeinschaften mehr Druck auf die Molkereien aufbauen lässt.

Etwa eine Million Liter Milch bekommt Landwirt Alfred Ritters pro Jahr von seinen 120 Kühen. Die möchte er gerne verkaufen. "Aber im Moment habe ich das Gefühl, wir geben unser Produkt einfach weg", sagt er. 26 Cent pro Liter bietet ihm sein Abnehmer, Hochwald Foods in Lüneburg. "Das sind noch mal zweieinhalb Cent weniger als im vergangenen Jahr", erzählt Ritters. Mindestens 33 Cent bräuchte er, um die Kosten für Futter und Unterhaltung zu decken. Ab 40 Cent könne er vernünftig wirtschaften und auch in Ställe und Technik investieren, so der Landwirt. Nach seiner Meinung vernetzen sich die Landwirte nicht genug. "Es gibt immer noch einige Milchbauern, die Einzelverträge mit den Molkereien schließen. Das finde ich ganz gefährlich", sagt er. Diese Landwirte hätten quasi überhaupt keine Macht gegenüber den Molkereien. Teilweise drückten diese den Preis für die Landwirte auf 22 Cent pro Liter.

Landwirte wollen mehr Wettbewerb

Ritters ist in der Norddeutschen Milcherzeuger Gemeinschaft, kurz MeG, organisiert. 250 Milchbauern treten darin gemeinsam für ihre Interessen gegenüber den Molkereien ein. "Aber ich würde mir wünschen, dass wir noch mehr fordern", sagt Ritters. "Zeit und Menge können wir bestimmen. Und dann sollen uns die verschiedenen Molkereien Angebote für den Preis machen." Im Moment geht das noch nicht, weil die sogenannte Andienungspflicht die Landwirte an eine einzige Molkerei bindet. "Aber ich bin zuversichtlich, dass diese Regelung bald kippt", sagt Ritters. Eine gut organisierte Klage liefe jedenfalls bereits.

Milchbauern wenden sich von Molkereien ab

Die Herausforderungen für die Molkereien sind global. Nach Auskunft der Hochwald-Foods-Zentrale haben sich die chinesischen Abnehmer im vergangenen Jahr die Lager mit Milchpulver gefüllt und bestellen deshalb zurzeit nicht mehr. Russland war bisher ein großer Abnehmer von Käse, aber dorthin können die Landwirte wegen des Embargos aktuell auch nicht liefern, so eine Sprecherin des Unternehmens. Nach Ansicht der CDU Fraktion im Niedersächsischen Landtag, setzt ein zu geringer Wettbewerb unter den Lebensmittelmärkten, die Molkereien zusätzlich unter Druck. Fünf Einzelhandelsketten teilten quasi den gesamten Milchabsatz untereinander auf. Sie fordern deshalb von der Landesregierung, zwischen Molkereien und Vertretern der Milchwirtschaft zu verhandeln.

Bauern produzieren insgesamt zu viel Milch

Auch eine der größten deutschen Molkereigenossenschaften, das Deutsche Milchkontor (DMK) in Zeven, kämpft mit den Herausforderungen des Marktes. Mittlerweile verliert der Milchverarbeiter sogar Zulieferer. Immer mehr Landwirte kehren dem DMK den Rücken. Das entspricht zwar der von Milchbauer Ritters gewünschten Selbstbestimmung der Landwirte, aber eine Lösung der Krise ist das nicht. Milchbauern, die es sich leisten können, erweitern ihren Betrieb. Wenn für den einzelnen Liter weniger bezahlt wird, dann müssen sie größere Mengen absetzen, um am Ende das gleiche Geld zu verdienen. Das ist für den Einzelbetrieb gut, aber erzeugt Druck auf den Markt, heißt es dazu von Hochwald. Letztlich bleibt vielen Milchviehaltern nur das Durchhalten und - wenn möglich - ein weiteres Standbein aufzubauen. Alfred Ritters hat für sich eine Mischwirtschaft entwickelt, um über die Runden zu kommen: Neben Milcherzeugung betreibt er ebenfalls eine Rinderzucht und Ackerbau. Aber auch das reicht finanziell nicht für Mitarbeiter. Seine insgesamt 140 Hektar bewirtschaftet er alleine, mit Unterstützung der Familie.

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