Stand: 27.09.2017 15:04 Uhr

Meyer: EU-Fördermodell für Bauern völlig veraltet

Vor dem Landwirtschaftsministerium in Hannover wurde Christian Meyer von Demonstranten des Agrar-Bündnisses Niedersachsen empfangen.

In Lüneburg treffen sich noch bis Freitag die Landwirtschaftsminister und -senatoren von Bund und Ländern zur Agrarministerkonferenz (AMK). Den Vorsitz der AMK hat in diesem Jahr turnusmäßig Niedersachsen mit Minister Christian Meyer (Grüne). Der nannte vor Beginn des Treffens drei Hauptthemen: das Fördersystem der Europäischen Union (EU), die Frage der weiteren Zulassung von Glyphosat und die Haltung von Sauen in Kastenständen. Meyer geht mit einem Forderungskatalog in die Konferenz.

Meyer will Neuausrichtung von EU-Förderung

Als dringend modernisierungsbedürftig bezeichnet Meyer das Finanzierungsmodell der EU für Landwirte. Das Modell benachteilige kleine und mittlere Betriebe und treibe so das Höfesterben voran. "In der EU erhalten die 20 Prozent größten Betriebe nahezu 80 Prozent der Agrarbeihilfen in Milliardenhöhe", kritisierte der AMK-Vorsitzende, der das Modell in der "Mottenkiste" versenken möchte. Er fordert, dass ab der nächsten Förderperiode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in der EU, die 2020 beginnt, zum einen kleinere und mittlere Betriebe unterstützt werden und dass nicht die Quantität - also die Größe des Hofs -, sondern die Qualität die Höhe der Beihilfen bestimmt. So sollten Landwirte Geld erhalten, "die sich für mehr Tierwohl, für Artenvielfalt sowie für Umwelt- und Klimaschutz einsetzen".

Glyphosat oder nicht Glyphosat?

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Die Suche nach Alternativen zum Glyphosat

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist in der EU stark umstritten. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Forscher suchen nach Alternativen im Pflanzenschutz. (14.07.2017) mehr

Bei der AMK wird Meyer zufolge außerdem die Entscheidung der EU über eine Erneuerung der Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat eine große Rolle spielen. Er will ein EU-weites Verbot und fordert von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU), sich "ein Beispiel" an anderen Ländern wie Frankreich und Italien zu nehmen, die der Zulassung nicht zustimmen wollten. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation stufe Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" ein: "Da kann man doch eine Zulassung nicht einfach so durchwinken. Das muss transparent und wissenschaftlich sauber geklärt werden", so Niedersachsens Landwirtschaftsminister.

"Die Sau rauslassen"

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Raus mit der Sau: Land will Haltung ändern

Das Land hat eine Bundesratsinitiative zur Sauen-Haltung erarbeitet. Die Tiere sollen künftig nur noch wenige Tage in Kastenständen gehalten werden. Die anderen Länder müssen zustimmen. (15.08.2017) mehr

Drittes Top-Thema ist laut Meyer die Haltung von Sauen in Kastenständen. Ein Thema, mit dem seine Partei auch gerade kräftig Wahlkampf macht: Die Grünen wollen "Die Sau rauslassen". Der Bund müsse eine Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung auf den Weg bringen. Für Landwirte solle es dabei eine Übergangsregelung geben. Wichtig seien bundesweit einheitliche Vorgaben.

Landvolk warnt vor "Flickenteppich"

Die verlangt auch das Landvolk Niedersachsen. "Wir erwarten bundesweite Lösungen bei den wichtigen Themen wie Tierwohl - keinen Flickenteppich", sagte Landvolk-Präsident Werner Hilse. Die Politik müsse außerdem für Planungssicherheit der Bauern sorgen. In Bezug auf Gentechnik und Glyphosat erwarte das Landvolk, "dass sich die Minister den wissenschaftlichen Erkenntnissen und fachlichen Aussagen anschließen und nicht ideologisch-emotional agieren".

Wolfspopulation steuern

Klare Worte fand Hilse unter anderem auch zum Thema Wolf: "Alle Bemühungen zur Ausdehnung der Weidehaltung werden konterkariert durch die immer stärkere Ausbreitung des Wolfes. Hier wünschen wir uns gemeinsames Vorgehen und die Umsetzung eines dringend notwendigen Wolfsmanagements." Dazu müsse auch eine Steuerung der Wolfspopulation gehören.

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Vechta: 20 Schafe und Rinder von Wolf gerissen?

20 Schafe und Rinder in den Landkreisen Vechta und Diepholz sollen einem Züchter zufolge von einem Wolf gerissen worden sein. Das Tier habe einen zwei Meter hohen Zaun übersprungen. (12.09.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.09.2017 | 15:00 Uhr

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