Stand: 05.12.2015 10:28 Uhr

Massive Proteste: AfD-Vortrag abgebrochen

Erfolg für die Demonstranten: Nach massiven Protesten von mehr als 350 Studenten, Gewerkschaftern und Politikern ist eine Veranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) in der Lüneburger Leuphana Universität am Freitagabend abgebrochen worden. Nach NDR Informationen kam die Absage vom Veranstalter, der AfD, selbst. Gegenüber NDR.de sagte eine Polizeisprecherin, es habe ein Gefahrenpotenzial bestanden. "Die Gemüter sind hochgekocht", so die Sprecherin weiter. Es kam zu Rangeleien, als die Polizei die etwa 20 AfD-Unterstützer in den Hörsaal eskortierte. Die Beamten setzten daraufhin Pfefferspray ein. Dann begann der Vortrag der AfD mit Verzögerung, doch nach etwa 15 Minuten wurde die Veranstaltung abgebrochen. Die Nachricht, von der Polizei über Lautsprecher verbreitet, löste Jubel bei den Demonstranten aus. "Ihr könnt nach Hause fahr'n, ihr könnt nach Hause fahr'n", wurde den AfD-Sympathisanten entgegengerufen.

Polizisten stehen vor protestierenden Studenten an der Leuphana Universität in Lüneburg. © NDR

Studenten: "Kein Platz für AfD in Lüneburg"

Viele Studenten sind erleichtert über den Abbruch eines AfD-Vortrags an der Leuphana Universität in Lüneburg. Für rechtes Gedankengut sei dort kein Platz, sagen sie im Interview mit NDR.de.

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Antifa attackiert Polizei

Zwei Gegendemos hatte es in Lüneburg gegeben, Studentengruppen und mehrere Initiativen hatten zu den Protestaktionen gegen den Vortrag der AfD aufgerufen. Während die Studenten zu großen Teilen friedlich blieben, kam es aber aus dem Block der Antifa zu Angriffen gegen Polizisten. Unter den Antifa-Mitgliedern befanden sich nach Polizeiangaben auch vermummte Personen. Die Studenten störten den Vortrag der AfD, indem sie mit vielen Händen gegen die Scheiben des Hörsaales klopften - ohne, dass sie die Scheiben zerstörten. Nach dem Abbruch der Veranstaltung wurden die AfD-Unterstützer erneut unter Polizeischutz vom Uni-Gelände weggeführt. Die Studenten feierten ihren Triumph anschließend in der Uni.

Uni kündigt Nutzungsvertrag

Vorausgegangen war ein Beschluss des Lüneburger Verwaltungsgerichtes, das der AfD das Recht zugesprochen hatte, am Freitagabend einen Hörsaal für die Zusammenkunft zu nutzen. Unter anderem sollte dort der AfD-Politiker Marcus Pretzell auftreten, der für die Partei im EU-Parlament sitzt. Zuvor hatte die Universität die AfD gebeten, einen anderen Veranstaltungsort zu wählen. Das wurde jedoch abgelehnt. Wegen der erwarteten Störung des Lehrbetriebes hatte die Uni nach heftigen Protesten den Nutzungsvertrag für den Raum schließlich gekündigt.

Senat hat zu Protesten aufgerufen

16 Gruppen, Parteien und Gewerkschaften hatten sich in einer Resolution gegen Veranstaltungen rechter Gruppen an der Leuphana ausgesprochen. Auch der Senat der Universität hatte die Veranstaltung missbilligt und dazu aufgerufen, "friedlich und aufklärerisch jeglichen menschenverachtenden Inhalten überall und jederzeit entgegenzutreten", wie es in einer Stellungnahme hieß. Die Raumvergabe an die AfD Lüneburg sei wegen der rechtlichen Gleichbehandlung aller Parteien geschehen. AfD-Politiker Pretzell hatte zuletzt gefordert, an der deutschen Grenze notfalls mit Gewalt gegen Flüchtlinge vorzugehen. Für Gunter Runkel von der AfD in Lüneburg hat das nichts mit der Veranstaltung in der Uni zu tun. "Ich kann nicht erkennen, dass der Auftritt Pretzells provokant sein könnte."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.12.2015 | 10:00 Uhr