Stand: 25.03.2016 09:23 Uhr

Lüneburgern ist es nachts zu hell in der Altstadt

von Andreas Rabe

Lüneburg ist bei Touristen beliebt. Die Stadt lebt von der gut erhaltenen, nahezu pittoresken Altstadt. Das sollen die Besucher auch gut sehen können, muss sich die Stadtverwaltung gedacht haben. Jedenfalls ließ sie vom zuständigen Energieversorger neue Leuchtmittel in die Lampen der historischen Gassen drehen. "Jetzt strahlen die Lampen hier so hell wie das Flutlicht auf einem Sportplatz", sagt Anwohnerin Paula Deubner. Sie wohnt in einem der ältesten Fachwerkhäuser von Lüneburg aus dem Jahr 1470. In den vergangenen fast 550 Jahren haben sich die Wände verzogen. "Hier ist alles schräg, Standard-Rollos aus dem Baumarkt halten hier nicht", sagt sie. Aber weil ihre Kinder von dem hellen Schein der Lampen nicht mehr schlafen konnten, hatte sie zunächst Schals und Wolldecken ins Fenster gehängt. Mittlerweile hat sie sich dunkle Vorhänge selber genäht.

Straßenlampen leuchten in Lüneburg. © NDR

Grelle Straßenbeleuchtung stört Lüneburger

Anwohner in Lüneburg fühlen sich durch neue Straßenlaternen beeinträchtigt. Stadtführer und Nachtwächter Horst Mietzner berichtet von der Lichtverschmutzung in der Altstadt.

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Rund 93.000 Euro für stilechte Lampen - Und nun?

Schon vor mehreren Monaten wurden einige Straßenzüge in der Innenstadt mit der neuen Beleuchtung versehen. "Dort ist das grellere Licht aber gar nicht aufgefallen, weil es durch die beleuchteten Schaufenster ohnehin hell ist", sagt Christian Burgdorff. Seit den 70er-Jahren engagiert er sich in dem Verein "Arbeitskreis Lüneburger Altstadt" für die Denkmalpflege des historischen Stadtkerns und die Stadtbildpflege. Dazu gehört nach seiner Ansicht auch, dass die alten Gassen in einer angemessenen Lichtstimmung ausgeleuchtet werden. Damit das Gesamtbild stimmt, hat sein Verein insgesamt rund 93.000 Euro für 68 stilechte gusseiserne Laternen in der Altstadt ausgegeben. Auch an diesen hat die Stadt nun die alten Quecksilberdampf-Birnen gegen Natriumdampf-Birnen austauschen lassen.

"Die Romantik ist weg"

"Mit dem alten Leuchtmittel waren alle zufrieden. Es gab überhaupt keinen Grund, das auszutauschen", sagt Burgdorff. Das sieht die Stadtverwaltung anders. Es habe zwar tatsächlich keine Beschwerden gegeben, aber das Quecksilber in den alten Birnen sei giftig. Deshalb mussten sie ausgetauscht werden. Außerdem sollen die neuen Leuchtmittel Energie und somit Geld sparen. Jede Lampe würde der Stadtkasse in Zukunft pro Jahr 50 Euro einsparen, so ein Sprecher. Für den Altstadtverein spielt aber auch die Ästhetik eine Rolle. Und das sehen auch einige Stadtführer so, die in historischen Kostümen auch abends, Besuchergruppen durch die Gassen begleiten. "Das ist sicherlich ein Gefühlswert, aber die Romantik ist weg", sagt Horst Mietzner. Mehrmals in der Woche führt er als Nachtwächter verkleidet bis zu 100 Touristen durch die Altstadt.

Mit dem Nachtwächter durch die "grelle" Altstadt

Helleres Licht durch saubere Lampen

Viele, die zum zweiten Mal an seiner Führung teilnehmen, würden sofort bemerken, dass es früher gemütlicher war, sagt er. Das sei schade, weil die Lüneburger Altstadt so aufwendig restauriert wurde und nachts eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahle. Aber zwischen Tag- und Nachtführungen gibt es nach seiner Ansicht nun kaum noch einen Unterschied - so hell strahle die neue Beleuchtung. Dabei hatte die Stadt es besonders gut gemeint und beim Wechseln des Leuchtmittels auch die Gläser der Lampen reinigen lassen. "Wahrscheinlich strahlt das Licht deswegen im Moment auch heller", so der Stadtsprecher. Damit sich das Problem aber nicht erst im Laufe der Jahre mit zunehmendem Staub wieder legt, soll der zuständige Energieversorger mit dem Altstadtverein nun eine Lösung erarbeiten. Einige Anwohner haben derweil anscheinend schon ihre eigene Lösung gefunden und die Lampen mit einem Verdunkelungsglas versehen.

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