Stand: 04.01.2016 15:46 Uhr

Kritik am Umgang mit Wölfen reißt nicht ab

Seit drei Jahren leben Wölfe wieder in Niedersachsen. Doch nicht alle sind darüber erfreut. Immer wieder ist es in der Vergangenheit zu Zwischenfällen gekommen: Ein Wolf wurde im Frühjahr vergangenen Jahres in der Nähe eines Kindergartens gesichtet. Ein ganzes Rudel überraschte im Februar eine Spaziergängerin mit ihrem Golden Retriever. Immer wieder werden Wölfe in der Nähe von Wohngebieten gesichtet und Schafe von Wölfen gerissen. Mit der Einrichtung eines Wolfsbüros hat das niedersächsische Umweltministerium Mitte vergangenen Jahres auf die zunehmenden Proteste reagiert. Doch Wolfsberater und Kommunen üben weiter Kritik am Wolfsmanagement. "Bis jetzt hat sich nicht viel getan", sagt Helmut Völker (parteilos), Bürgermeister der Samtgemeinde Amelinghausen im Landkreis Lüneburg.

Ein ausgewachsener Wolf und zwei Welpen laufen durch den Wald.

Wölfe vor der Handykamera

Ob in der Feldflur, im Wald oder auch im Wohngebiet: In den vergangenen Monaten wurden in Niedersachsen immer wieder Wölfe gesichtet. So mancher Beobachter hat da seine Handykamera gezückt.

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Bürgermeister bemängelt Informationspolitik

Bürgermeister Völker kritisiert, dass er trotz Wolfsbüro nicht wisse, wie viele Tiere tatsächlich in der Region unterwegs sind. Auch habe er keine Informationen darüber, welche Tiere mit einem Sender ausgestattet sind. Dabei sei das Wolfsbüro doch eingerichtet worden, um die Öffentlichkeit schneller über Neuigkeiten zu informieren und aufzuklären, so Völker. Zudem habe das Land zugesichert, dass ein Teil der auffälligen Wölfe zur besseren Überwachung Halsbänder mit Sendern bekommen sollte, manche sollten sogar aktiv vergrämt werden. Das Ministerium weist den Vorwurf zurück. Das Wolfsbüro habe eine umfassende Internetseite aufgebaut. Dort könnten viele Informationen abgerufen werden, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme, die NDR 1 Niedersachsen vorliegt. Doch Völker hält dagegen: "Es kann nicht unsere Aufgabe sein, uns regelmäßig zu informieren, wie der Stand ist." Bei Neuigkeiten oder Veränderungen müsse das Land die Initiative ergreifen.

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"Wir brauchen eine Notfallnummer"

Wolfsberater Helge John, der für den Landkreis Celle verantwortlich ist, kritisiert die fehlende Unterstützung vor Ort. Daher fordert er die Einrichtung eines Notfalltelefons. "Wir brauchen eine Notfallnummer, über die man 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche jemanden erreichen kann, wenn wirklich einmal gravierende Dinge passieren", so John. "Da warten wir leider immer noch drauf." Darüber hinaus kritisiert der Wolfsberater, dass das Land die Aufklärung und Information der Bevölkerung weitestgehend den Wolfsberatern überlasse. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass die Stimmung in der Bevölkerung stark davon abhänge, welcher Wolfsberater gerade seine Meinung kundtue. Und das, so John, könne nicht im Sinne eines einheitlichen Wolfsmanagements sein.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 04.01.2016 | 17:00 Uhr