Stand: 07.07.2015 22:40 Uhr

Komponist arrangiert Lieder für Beerdigungen

von Tabea Tschöpe

Die Idee ist eigentlich alt: Schon Mozart hat damit vor mehr als 200 Jahren Geld verdient. Doch seitdem war es ruhig geworden um das Geschäft mit den individuell komponierten Totenliedern. Bis ein Komponist aus Buxtehude die Idee wieder aufgriff. Auch er will auf diese Weise neue Kunden gewinnen: Alexander Paprotny fertigt individuelle Musikstücke auf Bestellung an - nicht für Hochzeiten, Geburtstage oder Jubiläen, sondern für Menschen, die noch zu Lebzeiten ein Lied für ihre Beerdigung bestellen.

Der Komponist Alexander Paprotny sitzt in seinem Tonstudio. © NDR Fotograf: Tabea Tschöpe

Musik für den letzten Weg

Alexander Paprotny komponiert individuelle Requiems. Seine Arbeit soll helfen die Persönlichkeit der Verstorbenen musikalisch für die Nachwelt zu konservieren.

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Erste Reaktion: "morbide Idee"

Seit gut drei Monaten bieten Alexander Paprotny und Nicole Zufelde in dem eigenen Tonstudio in Buxtehude an, maßgeschneiderte Stücke für Bestattungen zu schreiben. "Die erste Reaktion ist immer: Oh Gott, das ist ja morbide, mit dem Tod ein Geschäft zu machen", sagt er. In der Regel überlege sein Gegenüber dann noch einmal und schwenke um. "Eigentlich ja eine schöne Idee", käme dann meistens im Nachsatz.

Ein Leben musikalisch erzählen

Paprotny selbst erklärt: Bei Hochzeiten in den USA sei es üblich, ein persönliches Musikstück in Auftrag zu geben. Für Beerdigungen hierzulande ist das nach seiner Einschätzung durchaus auch denkbar. "Denn jeder überlegt sich doch, was hinterlasse ich, was hat mein Leben geprägt?" Der Schritt, einen Soundtrack fürs Leben zu diesem Anlass in Auftrag zu geben, sei also gar nicht so groß. Gerade für ihn als Komponisten sei es interessant, die Geschichte des Verstorbenen auf musikalische Weise zu erzählen und damit eine Lücke zu füllen.

Komponieren am Computer

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Popsong oder klassisches Requiem? Komponist kreiert Lieder für Beerdigungen.

Ein paar Aufträge hat der Komponist seit März schon umgesetzt. Die Produktpalette reicht dabei vom modernen Popsong mit einer Sängerin bis zum klassischen Requiem für ein Sinfonieorchester. Hilfe bekommt er vom digitalen Kompositionsprogramm, mit dem er seine Grundideen am Keyboard relativ schnell in eine komplette Orchesterpartitur übersetzen kann. Doch erst einmal auf passende Melodien zu kommen oder die richtigen Instrumente für die jeweilige Stimmung im Stück zu finden - das muss Paprotny selbst.

Musik für Computerspiele gehört auch zum Repertoire

Gelernt hat Paprotny sein Handwerk an der Berliner SET School of Entertainment and Technology. Aber seit seiner Kindheit hat er eine Affinität zu Musik. Als Sechsjähriger beginnt er Gitarre zu spielen, schreibt dann bald erste Stücke und funktioniert die alte Sauna seiner Großeltern zum Tonstudio um. Im Oktober vergangenen Jahres gründete er schließlich mit Bekannten ein professionelles Tonstudio. Neben den Auftragswerken zu Bestattungen produziert er dort vor allem Musik für Computerspiele, Filme und Werbung.

Komposition soll Persönlichkeit widerspiegeln

Trotz all der Ausbildung und Erfahrung als Komponist - ein persönliches Musikstück zu schreiben, bedeutet viel Aufwand für Paprotny: Beauftragt ihn ein Kunde, besucht der Komponist ihn zu Hause und versucht in einem Gespräch, soviele Details wie möglich aus seinem Leben zu erfahren. Höhepunkte, Krisen und Tiefschläge spielen dabei eine Rolle, genauso wie Charaktereigenschaften des Kunden. Hat Paprotny sich ein Bild gemacht, geht es zurück ins Arbeitszimmer. Dort entwirft er meistens am Keyboard Melodien, die das Leben und die Persönlichkeit des Kunden spiegeln.

Für eine Komposition wird je nach Aufwand mindestens ein vierstelliger Betrag fällig - manchmal muss eine Sängerin dafür extra in Aufnahmestudio, in anderen Fällen spielen Musiker das Stück ein. Doch bis das fertige Stück tatsächlich gespielt wird, können noch Jahre vergehen. Denn bislang waren die Kunden von Paprotny mehr als lebendig und allesamt bei guten Kräften.