Stand: 19.01.2016 20:28 Uhr

Keine freien Strände für die Friesen

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Normalität an vielen Strandabschnitten der Nordsee: Zäune versperren wie in Hooksiel den freien Zugang zum Meer.

In den ostfriesischen Badeorten Hooksiel und Horumersiel-Schillig haben Bewohner der Nachbargemeinden kein Recht auf kostenlosen Zugang zum Strand. Das hat am Dienstag das niedersächsische Oberverwaltungsgericht in Lüneburg entschieden. Zwei Bewohner benachbarter Kommunen hatten gegen die Gemeinde Wangerland geklagt, zu der die beiden Orte gehören. Dort werden von auswärtigen Gästen für den Zugang zum Strand von April bis Oktober drei Euro verlangt. Eine Revision ließen die Richter nicht zu.

Richter: Es gibt kein Zugangsrecht

Spaziergänge und Sonnenbäder am Strand sind an vielen Orten an der Nordsee nicht umsonst. So auch in Hooksiel und Horumersiel-Schillig. Für die beiden Kläger ist das ein Unding. Seit Jahren liegen sie im Rechtsstreit mit der Gemeinde Wangerland. Die Kläger wollten erreichen, dass sie einen freien Blick auf das Meer vor ihrer Tür haben, ohne Gebühr den Strand besuchen und sich frei am Wasser bewegen können. Nach geltenden Bundes- und Landesgesetzen bestehe ein solches Zugangsrecht nicht, entschieden nun die Richter in Lüneburg. Der betreffende Strandabschnitt sei zudem keine freie und ungenutzte Landschaft im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes, so der 10. Senat wie zuvor schon das Verwaltungsgericht Oldenburg. Vor diesem waren die Kläger bereits 2014 gescheitert.

Kläger: 90 Prozent der Strände nicht frei zugänglich

An 120 von 134 Strandkilometern in Niedersachsen müssen Besucher nach Angaben der Bürgerinitiative "Für freie Strände" zahlen. Rund 90 Prozent der Strände seien damit nicht frei zugänglich, rechnete Kläger Janto Just vor. "Für die Strände gilt das allgemeine Betretungsrecht. Das muss in angemessenem Umfang gewährt werden." Just verweist auf die Praxis in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Dort sei gesetzlich vorgesehen, dass es in angemessenem Umfang gebührenfreie Strände geben muss. Tatsächlich sind in den Küstenländern große Gebiete kostenfrei, nur mancherorts muss gezahlt werden.

Gemeinde: Gebühren sorgen für saubere Strände

Doch die Gemeinde Wangerland wollte auf die Einnahmen nicht verzichten. Mit den Gebühren wird laut Gemeinde die Pflege des Strandes, der Toiletten und Duschen sowie des Spielplatzes und der Parkflächen bezahlt. "Sollte die Initiative Erfolg haben, so müssten wir zur Refinanzierung auf andere Finanzierungsmöglichkeiten wie etwa auf eine Parkgebühr oder einen Tageskurbeitrag ausweichen", hatte Bürgermeister Björn Mühlena (parteilos) vor dem Prozess gesagt.

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