Stand: 25.01.2016 13:26 Uhr

Jugendtrainer gesteht sexuellen Missbrauch

Im Missbrauchsprozess gegen einen 27-Jährigen am Landgericht Lüneburg hat der Angeklagte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe teilweise gestanden. Der Sporttrainer steht im Verdacht, drei von ihm in einem Ruderverein betreute Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. In einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung räumte er am Montag unter anderem ein, dass es mit zwei der Jungs zum Geschlechtsverkehr gekommen sei. Einer der beiden sei erst zwölf Jahre alt gewesen. Die Anklage wirft dem 27-Jährigen 71 Taten vor, darunter sexuellen Missbrauch von Kindern, von Schutzbefohlenen und von widerstandsunfähigen Personen. "Ich kann heute nachvollziehen, dass ich auch Fehler gemacht habe", hieß es in der Erklärung. "Das tut mit unendlich leid." Er habe aber niemals Gewalt angewendet, betonte der Angeklagte. Auch sei er nicht pädophil. Es sei ihm vor allem "um den Spaß der anderen gegangen", hieß es, er habe mit sexuellen Handlungen anderen "eine Freude bereiten wollen".

Gericht lehnt Ausschluss der Öffentlichkeit ab

Ein Antrag des Verteidigers, die Öffentlichkeit aus dem Prozess auszuschließen, war am vergangenen Dienstag abgelehnt worden. Zuvor hatte das Gericht bereits einen Antrag der Verteidigung auf Ablehnung der drei Berufsrichter wegen Befangenheit zurückgewiesen. Der erste Prozess im Juni war geplatzt, unter anderem weil der Angeklagte die Vorwürfe nur teilweise eingeräumt hatte und von "einvernehmlichen Sex" sprach. Die Kammer war bei ihrer Terminplanung eigenen Angaben zufolge davon ausgegangen, dass der Mann ein Geständnis ablegen würde. Zudem stand einer der drei Richter aus "personellen Gründen" nach den zunächst acht angesetzten Verhandlungstagen nicht mehr zur Verfügung.

Dem Angeklagten droht eine lange Haftstrafe

Ein 14-jähriges mutmaßliches Opfer des Angeklagten ist Autist, dazu leidet es offenbar noch unter dem sogenannten Williams-Beuren-Syndrom, einer Störung des Sozialverhaltens. Beides führt dazu, dass der Junge als besonders schutzbedürftig gilt. Die Kammer hatte im Juli angegeben, dass sie hier weitere Untersuchungen für notwendig hält. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung laut Gericht eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren. Das Urteil wird für den 29. März erwartet, zwölf Verhandlungstage sind insgesamt anberaumt. Ob die Erklärung des Angeklagten bereits am nächsten Verhandlungstag am Montag verlesen werden soll, ist dem Gericht zufolge noch offen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 19.01.2016 | 15:30 Uhr