Stand: 14.01.2016 14:36 Uhr

Jogger in Gartow: Zweifel an Wolfsbegegnung

Ein Jogger soll am ersten Weihnachtsfeiertag in Gartow (Landkreis Lüchow-Dannenberg) von zwei Jungwölfen an der Hand berührt worden sein. Das zumindest hatten der Jogger und der verantwortliche Wolfsberater Peter Burkhardt behauptet. Nun hat der für Wolfsfragen zuständige Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in einer Stellungnahme vom Mittwochabend widersprochen: Dem Jogger sei gar kein Wolf, sondern ein Hund begegnet, heißt es darin. Wolfsberater Burkhardt hatte den Vorfall zum Anlass genommen, auch den Abschuss von Wölfen, die den Kontakt zum Menschen suchen, nicht mehr auszuschließen.

Chronologie: Der Wolf in Niedersachsen (ab 2015)

Wolfsbüro: Verhalten für Wolf untypisch

Achim Stolz, Sprecher des NLWKN, bestätigte, dass der Jogger eine Verletzung an den zuständigen Wolfsberater gemeldet hat. Der Mann sei dann von dem Wolfsberater und einer Amtstierärztin befragt worden. "Aus der Befragung ergeben sich Zweifel, ob die Verletzung tatsächlich von einer Begegnung mit Wölfen herrührt", so Stolz. Das beschriebene Verhalten sei für einen Wolf ungewöhnlich, derartiger Handkontakt eher typisch für Hunde. Auch die Beschreibung der Tiere spreche für einen Hund. Der Jogger habe bei der Befragung selbst eingeräumt, dass die Verletzung "auf andere Art entstanden" sein könnte. Wolfsbüro und Umweltministerium gehen aus diesen Gründen davon aus, "dass es sich bei der beschriebenen Begegnung vermutlich nicht um Wölfe gehandelt hat".

Wolfsberater widerspricht Ministerium

Eine Einschätzung, die bei Peter Burkhardt für Unmut sorgt. "Der Jogger ist selbst Besitzer von Hunden und kann Wolf und Hund durchaus unterscheiden", betont der Wolfsberater aus Lüchow-Dannenberg. Die Aussage des Ministeriums, ein Handkontakt sei nicht wolfstypisch, hält Burkhardt für unzulässig. "Das Ministerium argumentiert stets nach dem Motto: 'Was nicht sein darf, kann auch nicht sein'." Dabei werde der Wolf - umso länger er in der Nähe des Menschen lebt - immer häufiger ein "wolfsuntypisches" Verhalten zeigen, ist sich Burkhardt sicher: "Wölfe lernen doch, genauso wie Waschbären oder Marder, etwa Mülltonnen zu durchwühlen oder keine Angst vor dem Menschen zu haben." Die Informationspolitik des Ministeriums hält Burkhardt auf lange Sicht für problematisch. "Bald traut sich keiner mehr von einer Wolfsbegegnung zu berichten, weil er nicht ernst genommen wird."

Jogger verscheucht neugieriges Tierpaar

Weitere Informationen
02:21 min

Wolf soll Jogger an der Hand verletzt haben

13.01.2016 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Ein Jogger ist offenbar von einem Wolf im Gartower Forst angeknabbert worden. Der örtliche Wolfsberater fordert nun den Abschuss der Tiere, die keine Scheu vor Menschen haben. Video (02:21 min)

Dem Wolfsberater hatte der Jogger den Vorfall im Gartower Forst wie folgt geschildert: "Er bemerkte einen Widerstand an der Hand, hatte sich daraufhin reflexartig umgedreht und einen minimalen Riss an seinem Daumen bemerkt." Mehr sei es nicht gewesen. Hinter ihm hätten dann zwei Tiere gestanden, von denen er annahm, es seien die beiden Jungwölfe gewesen. Daraufhin habe sich der Jogger mit Tritten und Ästen gegen die beiden zur Wehr gesetzt. Kurz darauf seien die beiden Tiere wieder verschwunden.

Tiere ohne natürliche Scheu

Der Jogger selbst habe das Ganze nicht als Angriff auf Leib und Leben gewertet. "Für ihn war das eher spielerisch, die Wölfe haben nicht geknurrt oder sonstige Zeichen von Aggression gezeigt", berichtet Burkhardt, der eindeutig von einer Begegnung mit Wölfen ausgeht. Die vielfach postulierte natürliche Scheu der Wölfe löse sich aber immer mehr auf. "Wir Wolfsberater in Niedersachsen stellen fest, dass es immer mehr vertraute Wölfe in Niedersachsen gibt."

Wölfe sollten erschossen werden

"Meines Erachtens sind es einige wenige Wölfe, die in Niedersachsen immer wieder auffällig werden, zum Beispiel durch Nutztier-Risse", sagt der Wolfsberater. Geht es nach ihm, sollten diese wenigen Wölfe erschossen werden, weil diese "Ausreißer" allen anderen Wölfen nicht gut täten. "Sie schaden dem guten Ruf der anderen Wölfe." Der Wolf ist allerdings nach wie vor eine streng geschützte Tierart. Dennoch gibt es eine Ausnahme. "Ich zitiere mal Minister Wenzel: 'Der Schutz des Menschen steht immer an oberster Stelle'", sagt Burkhardt.

Hintergrund

Dossier: Die Wölfe sind zurück

Lange galten sie als ausgestorben, doch inzwischen sind sie zurück in Niedersachsen: die Wölfe. Was viele Umweltschützer begeistert, bereitet Landwirten Sorge. Ein Dossier über die Raubtiere. mehr

Wolfsberater rechnet mit Verunsicherung der Menschen

"Die Verunsicherung bei den Leuten nimmt zu. Sie fragen sich, ob sie jetzt noch ohne Bedenken zum Nordic Walking oder später im Jahr zum Pilzesammeln in den Wald gehen können", so der Wolfsberater. Es habe aber immer mal wieder Wolfsbegegnungen im Landkreis Lüchow-Dannenberg gegeben, passiert sei nie etwas. "Wir leben hier friedlich mit den anderen Wölfen zusammen und bekommen die Wölfe selten zu Gesicht bis auf diesen einen Zwischenfall", meint Burkhardt, der damit rechnet, dass im Wiederholungsfall die Verunsicherung bei den Menschen zunehme. Wenn es nach dem offiziellen Dementi von Wolfsbüro und Landesamt geht, hat es allerdings überhaupt keinen solchen Zwischenfall gegeben.

Weitere Informationen
mit Video

Kritik am Umgang mit Wölfen reißt nicht ab

Drei Jahre nach der Rückkehr der Wölfe in Niedersachsen wird noch immer gegen die Raubtiere protestiert. Wolfsberater und Kommunen kritisieren vor allem die Informationspolitik des Landes. (05.01.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.01.2016 | 19:30 Uhr