Stand: 12.10.2015 20:32 Uhr

Internat nimmt drei Flüchtlinge auf

Die Schule Marienau in Dahlem im Landkreis Lüneburg hat drei Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Unter dem Motto "Wir wollen selbst aktiv werden" hatten sich Schüler und Lehrerkollegium für die Aufnahme der Flüchtlinge eingesetzt. Seit vergangener Woche leben nun ein 48-Jähriger und seine beiden zehn und 20 Jahre alten Söhne auf dem Gelände der Schule mit angeschlossenem Internat. Der zehnjährige Ahmed besucht auch schon die 5. Klasse des Internatsgymnasiums, Deutsch oder Englisch kann er noch nicht.

Internat Marienau nimmt drei Flüchtlinge auf

Seit Herbst 2012 auf der Flucht

"Wir sprechen mit Händen und Füßen", sagt Ahmed. Einen besten Freund hat er auch schon: den elfjährigen Danny. "An manchen Tagen fühlt Ahmed sich noch nicht so wohl, dann will er nicht einmal Fußball spielen", sagt der blonde Junge. Laut Ahmeds Vater Abdel Nasser war die Familie seit Herbst 2012 auf der Flucht, vorher habe er als Anwalt mit eigener Kanzlei gearbeitet. In seiner Heimatstadt Daraa, im Süden Syriens, habe er drei Häuser besessen, sie seien im Bürgerkrieg zerstört worden. Seine Frau und seine Tochter seien noch in Jordanien, auch der älteste Sohn sei mit seiner Familie dort geblieben. Abdel Nasser hofft auf eine Familienzusammenführung, im Moment bleiben ihm und seinen beiden Söhnen allerdings nur das Internet.

Schule meldet sich bei der Gemeinde

In ihrer "AG Flüchtlinge" waren die Schüler auf die Idee gekommen, zu helfen. "Wir haben alle Ressourcen: Unterkunft, Schule, Sportplatz, Essen und sogar eine Arabisch sprechende Mitarbeiterin", sagt Heike Elz, die Leiterin des Internatsgymnasiums mit Ganztagsschule und insgesamt 250 Schülern. Die Schule meldete sich daraufhin bei der Gemeinde und fragte nach einer Familie - und dann ging es ganz schnell. Wenige Tage später waren die drei Flüchtlinge da. Nun geben zwei Lehrer dem Vater und dem älteren Sohn Abdel Deutschunterricht. Der hat Syrien kurz vor dem Abitur verlassen und möchte Informatik studieren. In Marienau gefalle ihm alles, sagt er: "Die Natur ist das Paradies auf Erden." Nur an die Temperaturen muss die Familie sich noch gewöhnen.

"Schüler werden nicht nur theoretisch mit dem Thema konfrontiert"

Die Schule in Dahlem sieht sich in der Tradition der Landschulheime. "Wir verstehen kulturelle Vielfalt als Bereicherung", heißt es im Leitbild der Schule, einer von knapp 200 Unesco-Projektschulen bundesweit. Völkerverständigung steht dort im Vordergrund. Und durch die neuen Bewohner "werden die Schüler nicht nur theoretisch mit dem Thema Flüchtlinge konfrontiert", sagt Elz, das helfe auch gegen Vorurteile.

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