Stand: 29.09.2015 18:59 Uhr

Handeloh: Heilpraktiker und Ärzte im Drogenrausch

Wahnvorstellungen, Krampfanfälle, Herzrasen: 29 Heilpraktiker, Ärzte und Psychologen experimentieren Anfang September im niedersächsischen Handeloh mit illegalen Drogen. Die als Seminar deklarierte Veranstaltung endet mit einem Großeinsatz der Rettungskräfte.

Sanitäter bringen eine verletzte Person auf einer Trage zu einem Rettungswagen. ©  dpa-Bildfunk Fotograf: Christian Butt

Heilpraktiker und Ärzte im Drogenrausch

Panorama 3 -

Nach dem Drogenexzess von Handeloh bleiben viele offene Fragen. Offenbar haben die Seminarleiter Verbindungen zu einer Schweizer Gruppe mit fragwürdigen Therapiemethoden.

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Inzwischen liegen den Ermittlern erste Untersuchungsergebnisse vor. So konnte das Kriminaltechnische Institut des Landeskriminalamtes Niedersachsen in zwei vor Ort sichergestellten Kapseln den amphetaminähnlichen Wirkstoff "2C-E" nachweisen. Das Psychedelikum unterliegt seit Dezember vergangenen Jahres den Bestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG). Erwerb und Besitz der Substanz sind seitdem verboten.

Spuren der Drogentherapie führen in die Schweiz

Die Staatsanwaltschaft Stade konzentriert ihre Ermittlungen auf die beiden Seminarleiter und zwei ihrer Helfer. Nach Informationen von Panorama 3 und dem ARD Reportageformat #BECKMANN handelt es sich bei dem Leiter des Seminars in Handeloh um den Aachener Psychologen Stefan S. Dieser ist offenbar ein Schüler des umstrittenen Schweizer Arztes und Psychotherapeuten Samuel Widmer Nicolet, der seit vielen Jahren den Einsatz bewusstseinserweiternder Drogen wie LSD oder MDMA in der Psychotherapie propagiert.

#BECKMANN
mit Video

Drogen-Exzess in Handeloh: Gibt es ein Netzwerk?

Das Erste: #Beckmann

Die Organisatoren der Tagung haben nach Recherchen von #BECKMANN enge Verbindungen zum umstrittenen "Drogenarzt" Samuel Widmer. Der Schweizer ist Verfechter der "Psycholyse". mehr

03:47 min

Ein unheimlicher Therapie-Trip

23.03.2015 20:15 Uhr
Das Erste: #Beckmann

Ein Reporter von #BECKMANN wagte sich undercover in ein zweifelhaftes Therapieangebot. Beim Treffen mit Teamarzt Dr. Welcker wurde klar: Es war noch schlimmer, als er erwartet hatte. Video (03:47 min)

#BECKMANN berichtete bereits im März diesen Jahres über die fragwürdigen Methoden Widmers. Der Schweizer hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 400 Heilpraktiker und Ärzte in der so genannten "Psycholytischen Psychotherapie" ausgebildet. Journalist Alexander Cierpka besuchte eines der Seminare in der Schweiz mit versteckter Kamera. Durch einen Drogencocktail aus MDMA und Meskalin wurden die Seminarteilnehmer auf eine mehr als zehn Stunden lange "Reise" geschickt. "Der therapeutische Ansatz dabei war vor Ort kaum ersichtlich", berichtete Alexander Cierpka. "Es ging da mehr um das gemeinschaftliche Drogenerlebnis."

"Psycholytische Psychotherapie" mit Drogen

Die Psycholyse ist ein umstrittener Therapieansatz und stammt ursprünglich aus den USA. In Deutschland ist die Methode verboten. Mediziner warnen, dass die Einnahme der synthetischen Drogen zu Depressionen, Psychosen und Schizophrenie führen kann.

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Warnt ausdrücklich vor "Psycholyse": Prof. Rainer Thomasius vom UKE.

"Psychotherapie ist ein Prozess, der normalerweise Monate bis Jahre andauert", so Rainer Thomasius, Professor für Psychiatrie am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. "Und dieser Prozess soll in der Psycholyse durch die Einnahme von Substanzen beschleunigt werden. Die Patienten sollen einen schnelleren Zugang zu den traumatischen Erlebnissen in ihrem Unterbewusstsein erhalten. Und das Problem bei dieser Methode ist - mal abgesehen davon, dass es keinen Beleg für die Wirksamkeit, für den Erfolg einer solchen Psychotherapie gibt - dass es immer wieder zu ungünstigen Auswirkungen kommt, bspw. zu Psychosen."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 29.09.2015 | 21:15 Uhr