Stand: 24.08.2017 15:31 Uhr

Fenster-Sprung: Schulbehörde sagt Aufklärung zu

Nach dem Sprung einer Elfjährigen aus dem Fenster des dritten Stocks einer Lüneburger Oberschule sind auch zwei Tage danach die Beweggründe des Mädchens unklar. Die Polizei und die Landesschulbehörde gehen weiteren Hinweisen nach. Der Vorfall solle umfänglich aufgeklärt werden, hieß es am Donnerstag. Der Familie des jungen Mädchens aus dem syrischen Aleppo sicherte die Landesschulbehörde zu, die Hintergründe aufzuklären. Der Vorwurf der Eltern gegen die Schule sei als Beschwerde aufgenommen worden. Konkrete Hinweise auf Fehler seitens der Schule gäbe es aber nicht, erklärte Bianca Schöneich von der Landesschulbehörde.

Kein Hinweis auf Fremdverschulden

Nach dem Stand der Ermittlungen gebe es weiterhin keine Hinweise auf ein Fremdverschulden, teilte die Polizei mit. Die Schülerin hatte am Dienstag bei ihrem Sturz schwere Arm- und Beinfrakturen und weitere Verletzungen erlitten. Ein Rettungshubschrauber brachte die Elfjährige in eine Spezialklinik, wo sie nach NDR Informationen mehrfach operiert wurde.

Hatte die Elfjährige Kontakt zu Islamisten?

Was das Mädchen zum Sprung aus dem Fenster bewegte, gibt den Behörden Rätsel auf: Hinweise darauf, dass das Mädchen Kontakte zu radikalen Islamisten hatte, gebe es bislang nicht, sagte die Polizei. Dennoch sei der Staatsschutz eingeschaltet. Schulleiter Uwe Wegener hatte dem NDR am Dienstag gesagt, die Schülerin habe einem Vertrauenslehrer gegenüber Tendenzen erkennen lassen, die auf mögliche Kontakte zu Islamisten hindeuten. Laut Antje Freudenberg, Sprecherin der Polizei, müssten die Aussagen des Kindes aber vorsichtig betrachtet werden. Möglicherweise habe sie nur provozieren wollen.

Werden nicht zu öffnende Fenster eingebaut?

Die "Landeszeitung" hatte berichtet, die Schülerin habe mehrfach "den Klassenfrieden gestört". Als Maßnahme habe man sie vom Unterricht freistellen wollen. Dazu habe es ein Gespräch gegeben. Ob es eine Klassenkonferenz und einen Ausschluss der Schülerin vom Unterricht geben sollte, bestätigte oder dementierte die Landesschulbehörde hingegen nicht. Bevor die Schule die Eltern habe erreichen können, sei das Mädchen aus dem Fenster gesprungen. Stadt und Schulleiter beraten am Donnerstag darüber, neue nicht zu öffnende Fenster in der Schule einzubauen.

Vater: Keine Hinweise auf Radikalisierung

Der Vater der Elfjährigen war mit Familienmitgliedern und einigen Jugendlichen vor der Schule erschienen und hatte ein Gespräch mit der Landesschulbehörde in Lüneburg gefordert, erklärte eine Polizeisprecherin. "Die Polizei ermöglichte dem Vater einen Demonstrationszug zu der Behörde am Rande der Altstadt." Die etwa 30 Teilnehmer hätten Fotos des Mädchens hochgehalten. Dem NDR sagte der Vater, er habe keine Hinweise darauf, dass seine Tochter sich islamistisch radikalisieren wollte. Sie sei ein modernes Mädchen, trage kein Kopftuch und kenne kaum ein Wort aus dem Koran. Die Schule habe ihn zudem erst nach dem Vorfall über den Verdacht informiert. Die Polizei bestätigte die Angaben des Vaters: "Uns war eine Radikalisierung des Mädchen nicht bekannt", sagte eine Beamtin. Sie sei polizeilich nicht in Erscheinung getreten.

Schule wird von Behörde intensiv betreut

"Nach unserem Wissen waren andere Schülerinnen und Schüler im Raum, als das Mädchen gesprungen ist", hieß es bei der Landesschulbehörde. Die Kinder und ihre Lehrkräfte würden psychologisch betreut. "Zu weiteren Einzelheiten machen wir aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine Angaben", hieß es weiter. Auch Auskunft über die Inhalte vertraulicher Gespräche in Schulen gibt es nach Angaben der Behörde nicht. Gespräche zwischen Schule und Schülern seien nicht ungewöhnlich und fänden täglich statt. "Ob und wann Erziehungsberechtigte hinzugezogen werden müssen, ist immer eine Einzelfallentscheidung", sagte die Sprecherin. Sollte es in einer Schule Hinweise auf eine islamistische oder salafistische Radikalisierung eines Schülers geben, informiere die Schule üblicherweise sofort die Polizei, die dann eine Gefährdungsbeurteilung vornehme.

OB Mädge: "Spekulationen helfen niemandem"

Nach dem Vorfall meldete sich auch Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) zu Wort: "Dem schwer verletzten Mädchen und seiner Familie gilt mein tiefes Mitgefühl." Spekulationen und Gerüchte würden niemandem in dieser Situation weiterhelfen. "Was immer sich genau an der Schule und im Kopf des Mädchens abgespielt hat, dass es zu dieser Ausnahmesituation kam, das zu erfassen ist in erster Linie die Aufgabe der Schulbehörde und der Polizei", sagte Mädge.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 23.08.2017 | 07:30 Uhr

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