Stand: 26.02.2015 16:05 Uhr

Examen gegen Sex oder Geld: Richter verurteilt

Bild vergrößern
Im Januar hatte der angeklagte Richter zugegeben, die Prüfungslösungen verkauft zu haben. Am Donnerstag wurde er verurteilt.

Er bot Studenten die Prüfungslösungen für Sex und Geld an: Gut zwei Monate nach Prozessbeginn hat das Landgericht Lüneburg am Donnerstag sein Urteil über einen ehemaligen Richter gefällt. Der 48-Jährige muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er Prüfungslösungen für Jura-Staatsexamen verkauft hatte. Der ehemalige Referatsleiter im niedersächsischen Landesjustizprüfungsamt habe sich der Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall schuldig gemacht, so die Urteilsbegründung. Das Gericht verurteilte den Juristen in sechs Fällen, in vier davon in Verbindung mit Nötigung. In vier weiteren Fällen sah das Gericht eine Verletzung des Dienstgeheimnisses.

Gericht: Er suchte finanzielle und sexuelle Vorteile

Damit droht dem Juristen das berufliche Aus und der Verlust seiner Pension. Er soll die Unterlagen für das entscheidende zweite Staatsexamen gegen Sex angeboten oder verkauft haben. Der Angeklagte habe ohne persönliche oder wirtschaftliche Not seine herausgehobene Position als Leiter des Justizprüfungsamtes missbraucht, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung. Die Gesetze, die der Angeklagte verletzt hatte, seien eigentlich da, um das Vertrauen in das Gesetz zu schützen, hieß es. So nahmen die Richter dem Angeklagten auch nicht seine Rechtfertigung ab, er habe nur Nachwuchsjuristen helfen wollen. Vielmehr habe der 48-Jährige bei den Nachwuchsjuristen seine finanziellen und sexuellen Vorteile gesucht. "Respekt gebührt denen, die das Angebot abgelehnt haben", sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Philipp.

Seit elf Monaten in Untersuchungshaft

Mit 30.000 Euro und einer geladenen Pistole war der Celler Richter im März in einem Hotel in Mailand festgenommen worden. Mit dem Urteil lag das Gericht nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Sie hatte in der vergangenen Woche eine Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten gefordert. Allerdings wird der Verurteilte nicht die vollen fünf Jahre verbüßen, da er bereits seit elf Monaten in Untersuchungshaft sitzt.

Anwälte kündigen Revision an

Die Verteidigung hatte auf eine Strafe von höchstens elf Monaten plädiert. "Ich gehe davon aus, dass wir Revision einlegen werden", erklärten die Anwälte des 48-Jährigen nach der Urteilsverkündung. Im Januar hatte der Familienvater ein Geständnis abgelegt und dabei auch ein Verhältnis zu einer der betroffenen Referendarinnen eingeräumt. Mindestens 15 Nachwuchsjuristen soll das Zweite Staatsexamen nachträglich aberkannt werden. Gegen die Betroffenen wird gesondert verhandelt. Rund 200 Sonderprüfer des Justizministeriums hatten die Abschlüsse von 2.000 Juristen untersucht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.02.2015 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:10 min

VW beendet Streit um Zukunftspakt

21.02.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:39 min

A 7 bekommt neue Parkplätze für Lkw

21.02.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:36 min

Braunschweig kommt Eckert & Ziegler entgegen

21.02.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen