Stand: 03.11.2015 09:59 Uhr

Erste Flüchtlinge beziehen Notlager in Sumte

Sie sind da: Deutlich später als erwartet sind am Montagabend die ersten Flüchtlinge in Sumte eingetroffen. Um kurz nach 20 Uhr - und damit mit rund zwei Stunden Verspätung - erreichte ein Bus mit knapp 50 Menschen das Dorf im Landkreis Lüneburg, der zweite traf kurze Zeit später ein. Erst am Montagmittag waren Ankunftszeit und Anzahl der erwarteten Menschen bekannt gegeben worden: Nach Angaben von Annegret Droba vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der die neue Notunterkunft betreibt, sind am Montag knapp 100 Flüchtlinge in Sumte angekommen. Insgesamt sollen dort in den kommenden Tagen zunächst rund 500 Flüchtlinge untergebracht werden. Über das 100-Einwohner-Dorf im Landkreis Lüneburg, das ein Vielfaches seiner Bevölkerungszahl aufnehmen soll, wurde in den vergangenen Tagen viel geschrieben. In der deutschen Presse, in der russischen, sogar in der US-amerikanischen ist das Interesse riesig.

Sumte: Durch den Nebel in die Wärme

"Riesiges Medieninteresse"

Auch die Ankunft der Flüchtlinge, unter denen viele Familien mit Kindern waren, wurde von vielen Journalisten verfolgt - darunter auch Vertreter ausländischer Medien, zum Beispiel des arabischen Nachrichtensenders Al-Jazeera und aus Japan. Bei dichtem Nebel stieg als erste eine schwangere Frau aus dem Bus. Dolmetscher und ASB-Mitarbeiter begleiteten die Menschen in den Speisesaal, wo es laut ASB eine vegetarische Suppe mit Brötchen zu essen gab. Dort wolle man die Flüchtlinge erst einmal "auf das riesige Medieninteresse" vorbereiten, hatte ASB-Sprecherin Droba im Vorfeld erklärt. Im Anschluss würden die Flüchtlinge registriert, medizinisch untersucht und dann auf die Räume verteilt, so Droba. In der Notunterkunft in einem ehemaligen Bürokomplex sind in den vergangenen Tagen Schlafsäle und Familienzimmer für die Neuankömmlinge vorbereitet worden worden. Matratzen und Feldbetten stehen in den Gebäuden des jahrelang leer stehenden Bürokomplexes, die durch einen sehr langen Gang miteinander verbunden sind.

"Von mir aus können es auch 1.000 werden"

Das Interesse der Medien erstreckt sich aber auch auf die Anwohner. "Wir wurden in den vergangenen Wochen ziemlich verrückt gemacht", so Christian Schreiber, dessen Haus rund 100 Meter neben der Notunterkunft steht. Er sehe die ganze Sache aber optimistisch und wolle erst mal gucken, wer da so ankommt. Reinhold Schlemmer war früher Bürgermeister von Sumte und geht noch einen Schritt weiter: "Von mir aus können es auch 1.000 werden", sagte er NDR.de. Wenn es richtig funktioniere, könnten die Flüchtlinge ein Riesen-Gewinn für die Gegend sein, weil in den vergangenen Jahren so viele junge Leute weggezogen seien. "Ein großer Vorteil des Landlebens ist die große Gelassenheit der Menschen hier", sagte der Einrichtungsleiter der Notunterkunft, Jens Meier, NDR.de. Diese sei aber nicht mit Sorglosigkeit zu verwechseln. "Noch sind nicht alle Probleme gelöst", so Ortsvorsteher Christian Fabel (CDU). So wünschten sich einige Einwohner zumindest für die erste Zeit eine Polizeipräsenz vor Ort rund um die Uhr

Letzte Begutachtung am Sonntag

Anstatt sich den Kopf zu zerbrechen über potentielle Schwierigkeiten, herrschte am Sonntag rege Betriebsamkeit. Der ASB nahm die Unterkunft noch einmal in Augenschein, klärte Organisatorisches. In weniger als zwei Wochen hat der Betreiber - auch mithilfe von Anwohnern - den ehemaligen Bürokomplex bezugsfertig gemacht. "Da wurde teilweise wirklich Schwerstarbeit geleistet", sagte Einrichtungsleiter Meier. Es ist dieses Engagement und die Zuversicht, die Sumte international zum Symbol werden ließen. 500 Flüchtlinge für eine 100-Seelen-Gemeinde, später könnte die Belegung sogar auf 750 steigen.

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