Stand: 29.06.2017 10:23 Uhr

Entscheidung im Mafia-Prozess rückt näher

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Der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der russischen Mafia läuft seit mehr als zwei Jahren.

Nach mehr als zwei Jahren kann im Mammutprozess gegen mutmaßliche Mitglieder der russischen Mafia, den "Dieben im Gesetz", die Beweisaufnahme nach Ansicht des Vorsitzenden Richters bald abgeschlossen werden. Damit rückt eine Urteilsfindung näher. Seit Februar 2015 müssen sich sechs Männer vor dem Landgericht Lüneburg verantworten. Ihnen wird bandenmäßiger Betrug und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen mithilfe von Scheinfirmen hochwertige Geräte, Fahrzeuge und Maschinen ergaunert und weiterverkauft haben.

Prozess kostet Millionen

Der Prozess, der heute mit dem 169. Verhandlungstag in die Sommerpause geht, bricht Rekorde: Bisher sind nach Gerichtsangaben fast 1,5 Millionen Euro für Dolmetscherkosten fällig geworden. Die Angeklagten kommen aus Russland, Deutschland, Kasachstan, Armenien, Tschechien und der Türkei. Übersetzt werden müssen laut einem Sprecher des Landgerichts auch aufgezeichnete Telefongespräche. Dabei handele es sich zum Teil um seltene Dialekte, die von speziellen Dolmetschern übersetzt werden müssten. Die zwölf Pflichtverteidiger haben bisher rund 2 Millionen Euro gekostet. Der Prozess wird unter hohen Sicherheitsauflagen geführt - der Verhandlungssaal ist abgesperrt, zum Prozessauftakt wurde eigenes eine schusssichere Glaswand installiert und am Eingang gibt es Metalldetektoren.

Das Gericht geht von einem Abschluss des Prozesses noch in diesem Jahr aus. Falls die Verteidiger keine weiteren Anträge stellen, könnte die Beweisaufnahme Ende Juli nach der Sommerpause abgeschlossen werden, so der Sprecher.

Strenge Hierarchien, Gesetze und unbedingte Gehorsam

Die "Diebe im Gesetz" sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) bundesweit aktiv. Die Organisation der Vereinigung ist geprägt von strengen Hierarchien, eigenen Gesetzen und unbedingtem Gehorsamszwang. Vor mehr als 80 Jahren sollen Gefangene in sowjetischen Straflagern das Netzwerk gebildet haben. Hochrangige Mitglieder stammen offenbar auch aus den Reihen des KGB und anderen früheren sowjetischen Geheimdiensten.

Die Beamten waren durch eine Schießerei am Maschsee in Hannover im Jahr 2008 auf die "Diebe im Gesetz" aufmerksam geworden. Nach Ansicht der Ermittler hatte es sich damals um eine bandeninterne Auseinandersetzung gehandelt.

Wer sind die "Diebe im Gesetz"?

Die Organisation "Diebe im Gesetz" entstand laut Landeskriminalamt (LKA) in der Sowjetunion schon zu Beginn der Stalin-Ära Anfang der 1920er-Jahre. Zu der Zeit seien Kriminelle zusammen mit den damaligen Regimegegnern in Strafgefangenenlagern inhaftiert worden. Hier formierten sie sich demnach zu der Organisation "Diebe im Gesetz". Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre habe sich für die Organisierte Kriminalität in Russland und den anderen ehemaligen Mitgliedstaaten der Sowjetunion die Gelegenheit geboten, ihren Einfluss zu vergrößern. Die Mitglieder der "Diebe im Gesetz" begehen nach Angaben des LKA meist Straftaten wie Wohnungseinbrüche, Ladendiebstähle oder Rauschgifthandel. Ziel hierbei sei "ein erhebliches finanzielles Gewinnstreben". Die Vereinigung gehorche bestimmten eigenen Regeln und Gesetzen. Das System sei streng abgeschottet; Informationen dringen laut LKA kaum oder gar nicht nach außen. Die Mitglieder schreckten auch vor Gewalt nicht zurück, um Opfer einzuschüchtern. Im Jahr 2013 wurden nach Angaben des LKA von den niedersächsischen Polizeibehörden elf Ermittlungskomplexe im Bereich der russisch-eurasischen organisierten Kriminalität geführt, mit insgesamt 166 Tatverdächtigen.

Weitere Informationen

Prozess gegen "Diebe im Gesetz" eröffnet

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Lüneburg der Prozess gegen sechs mutmaßliche Mitglieder der "Diebe im Gesetz" begonnen. Einer der Angeklagten soll ein Unterboss sein. (06.02.2015) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 28.06.2017 | 16:30 Uhr

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