Stand: 15.02.2017 15:45 Uhr

Veränderungssperre: Gorleben weiter im Rennen?

Bild vergrößern
Der Salzstock Gorleben darf seit Jahren nicht verändert werden. (Archiv)

Der Salzstock Gorleben bleibt auf der Suche nach einem deutschen Endlager für Atommüll im Rennen. Zumindest hat das Bundesumweltministerium in Berlin angekündigt, die so genannte Veränderungssperre erneut zu verlängern. Das bedeutet, dass im Raum Gorleben weiterhin nichts verändert werden darf, was die Einrichtung eines Endlagers für nuklearen Müll einschränken könnte. Atomkraftgegner im Wendland sind empört. Damit habe die Bundesregierung erneut ihr Versprechen gebrochen, so Asta von Oppen, Ratsfrau der Grünen in Gartow (Landkreis Lüchow-Dannenberg).

Veränderungssperre für alle?

Wolfang Ehmke von der Bürgerinitative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg spricht von einer eklatanten Ungleichbehandlung. Denn während in Gorleben nichts verändert werden dürfe, könnten gewiefte Politiker in anderen Bundesländern andere mögliche Endlagerstandorte so verändern, dass sie für ein Endlager unbrauchbar werden. Über Fracking oder Bohrungen sei das möglich. "Schließlich will kein Bundesland ein Atomklo haben." Die grüne Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden fordert daher, dass alle potentiellen Standorte gleichberechtigt behandelt werden sollen, mit einer Veränderungssperre, die bundesweit gilt - und nicht nur für Gorleben.

Schon im Sommer 2015 verlängert

Bereits im Juni 2015 hatte der Bundesrat die Sperre bis zum 31. März 2017 verlängert. Damals machte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) deutlich, dass dies "keine Vorfestlegung auf Gorleben" sei. Umweltschützer im Wendland werteten die Entscheidung jedoch als eine Favorisierung Gorlebens als Endlagerstandort. Bis 2031 soll ein Endlagerstandort gefunden sein.

40 Jahre Protest im Wendland

Erkundung Gorlebens beendet

Das Standortauswahlgesetz tritt in Kraft. Der Bund muss ergebnisoffen und transparent nach einem Endlager suchen und bis 2031 einen geeigneten Standort bestimmen. Die Erkundung des Bergwerks Gorleben ist damit beendet. Es muss aber so lange offen gehalten werden, bis entschieden ist, wo das Endlager eingerichtet wird. Das könnte auch Gorleben sein.

Am 22. Februar jährt sich die Entscheidung des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU), im kleinen Ort Gorleben ein "Nukleares Entsorgungszentrum" zu errichten. Ausschlaggebend für die Entscheidung waren wohl weniger die Salzformationen unter der Erde, die gibt es schließlich auch in anderen Orten in Niedersachsen, sondern offenbar Albrechts Kalkül: Im strukturschwachen, konservativen Wendland würden die Menschen schon nichts gegen die geplanten Atomfabriken haben. Auch die entstehenden Arbeitsplätze hätten durchaus attraktiv wirken können. Doch es kam anders: der Protest war groß und ist es bis heute.

Weitere Informationen

Gorleben bleibt als atomares Endlager im Rennen

Der Bundesrat hat die Veränderungssperre für den Salzstock in Gorleben verlängert - eine Vorfestlegung in Sachen Endlager sei die Entscheidung aber nicht, hieß es in Berlin. (13.06.2015) mehr

Gorleben: Atomlager bis 2034 - oder für immer?

Seit den 1980er-Jahren lagert im Zwischenlager Gorleben hoch radioaktiver Müll zum Auskühlen, bis ein Endlager gefunden ist. Früher galt ein benachbarter Salzstock als geeignet. (21.11.2014) mehr

Gorleben - Der Aufstand der Bauern

Der Widerstand der ortsansässigen Landwirte in Gorleben hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten zu einem langlebigen Protest gegen die Atompolitik entwickelt. mehr

Gorleben: Eine Chronik der Ereignisse

Von der Ankündigung Ernst Albrechts 1977, in Gorleben ein "Nukleares Entsorgungszentrum" aufzubauen, bis zum anhaltenden Protest gegen ein atomares Endlager im Wendland. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 15.02.2017 | 14:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:41

Streit um Kosten für Straßenausbau in Springe

21.10.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen