Stand: 17.02.2016 18:10 Uhr

Elternrat über Lehrerin: "Alle fordern eine Reaktion"

von Andreas Rabe
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Eberhard Brandt, Vorstand der Lehrergewerkschaft GEW, ist besorgt um den Schulfrieden am Gymnasium in Soltau.

"Das war wirklich egoistisch", sagt Eberhardt Brandt, Vorstand der Lehrergewerkschaft GEW in Niedersachsen. Er beschreibt damit die Tatsache, dass eine Mathe-Lehrerin am Soltauer Gymnasium während einer Krankschreibung ihre Tochter zum Dreh des RTL Dschungelcamps nach Australien begleitet hat. "Es gehört sich nicht, während einer Krankschreibung in den Urlaub zu fliegen", meint Brandt. Das verärgere andere Lehrer, die ihrer Arbeit gewissenhaft nachgingen. Das bestätigt auch Jürgen Röders vom Elternrat des Soltauer Gymnasiums. Er befürchtet, dass die Arbeitsmoral am Gymnasium leiden könnte. "Dann nimmt das in Zukunft vielleicht der eine oder andere Lehrer mit seiner Pflicht auch nicht mehr so genau", sagt er. Konkret: Krankschreibungen könnten dann grundsätzlich als Urlaub verstanden werden. Deshalb müsse die Landesschulbehörde nun schnell handeln. Ginge es nach dem Elternrat, sollte die Lehrerin von der Schule verwiesen werden.

Elternrat stellt Vertrauensverhältnis in Frage

Soweit will Eberhard Brandt von der Lehrergewerkschaft nicht gehen. "Konkrete Forderungen zu stellen ist nicht meine Aufgabe", sagt er. Aber das Disziplinarrecht gebe der Landesschulbehörde viele Möglichkeiten, den Schulfrieden am Gymnasium wieder herzustellen. Und dieses Recht sollte die Behörde nun nutzen, um die Erwartungen von Eltern und Lehrern zu erfüllen. Der Fall wird derzeit in der Behörde behandelt. Mitte Januar hatte sich der Elternrat dort beschwert, weil die Lehrerin trotz Fehlens in der Schule im Fernsehen zu sehen gewesen war und bei der Abitur-Vorbereitung ihrer Schüler fehlte. Die Landesschulbehörde beteuert, dass sie die Sorgen der Eltern ernst nehme - man brauche aber Zeit, um den Fall zu prüfen. Dieses Verfahren dauert dem Elternrat zu lange. Nun haben sie mit einem Fragenkatalog nachgelegt. Sie wollen zum Beispiel wissen, wie die Landesschulbehörde das Vertrauensverhältnis zwischen der Lehrerin auf der einen Seite und Schülern, Eltern und Kollegen auf der anderen Seite einschätzt.

Schulbehörde hat viele Möglichkeiten

Röders sagt: "Alle, mit denen ich gesprochen habe, fordern eine Reaktion." Selbst ans Kultusministerium haben die Elternvertreter deshalb die Bitte gerichtet, eine Lösung für das - aus ihrer Sicht - zerrüttete Vertrauensverhältnis zu finden. Für die Lehrerin steht viel auf dem Spiel. Die Möglichkeiten der Landesschulbehörde reichen von einem Tadel über die Kürzung der Bezüge bis zum Entzug des Beamtenstatus'. Die Lehrerin lässt sich von ihrem Anwalt vertreten. Dieser teilt dem NDR auf Anfrage mit, Schulelternrat und Gewerkschaft interessierten ihn und seine Mandantin derzeit nicht. Man werde sich äußern, sobald eine Entscheidung der Landesschulbehörde vorliegt.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 17.02.2016 | 17:00 Uhr